Politik : Hinter den Linden: Online und diskret

Hans Monath

Dem Einfallsreichen gehört die Zukunft. Und wahrscheinlich auch dem, der genügend Mittel hat, seine schönen Ideen unter die Leute zu bringen. Deshalb hat die Führung von Bündnis 90/Die Grünen nun einen neuen Weg aufgetan, wie die Bürger ihnen ihr Geld zukommen lassen können. Wer will, dass die Grünen im Wahljahr 2002 gestärkt in den Bundestag zurückkehren, muss seine Tausendmarkscheine nicht mehr im zugeklebten Briefumschlag versenden und auch nicht mehr eigens ein Überweisungsformular ausfüllen. Ein Computer, ein Internetanschluss und eine Kreditkarte tun es auch. Denn als erste deutsche Partei, so haben die Grünen am Mittwoch stolz verkündet, bieten sie spendablen Sympathisanten die Möglichkeit zu Online-Spenden. Das macht was her und soll nach dem Willen von Geschäftsführer Bütikofer auch noch beweisen, dass die Grünen die "selbsternannte Internetpartei" FDP aus dem Rennen werfen. Wer den Spenden-Link anklickt, wird gleich beruhigt: "Keine der Informationen, die Sie mit dieser Site austauschen, kann von anderen Personen im Web gesehen werden." Die Überweisungsaktion dauert angeblich nur zwei Minuten. Mindestbetrag sind zehn Euro, geringere Online-Spenden nehmen die Grünen gar nicht erst an.

Wer trotz Internet-Anschluss traditionell spenden will, dem zeigt der Grünen-Link penibel seine Möglichkeiten auf. Wahrscheinlich für die Internet-Nutzer, die vor lauter Hackerei schon jeden Kontakt zur Realität verloren haben: "Schicken Sie uns einen Scheck. Überweisen Sie bei Ihrer Bank. Sie können uns auch eine Einzugsermächtigung erteilen." Nicht erwähnt wird die Möglichkeit, Koffer voller Geldscheine zu übergeben. Aber mit solchen Methoden sollte ja auch einer anderen Partei geholfen werden. Wie die wohl heute dastünde, wenn Walther Leisler Kiep und Karlheinz Schreiber ihre Geschäfte schon per Internet hätten abwickeln können?

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