Politik : Hinter den Linden: Oskar der Erste

Matthias Meisner

Das alles und noch viel mehr hat sich Rio Reiser ausgemalt, als er seinen Hit "Wenn ich von König von Deutschland wär..." gesungen hat. Wirklich das alles? Mehrere Dutzend Möchtegern-Machthaber hat die PDS im Bundestag gefragt, was sie an der Spitze einer Monarchie tun würden. Die Antworten stehen jetzt in einem kleinen Kalender und wir erfahren, dass Gregor Gysi gern die erste sozialistische Monarchie einführen würde. Und Gabi Zimmer? Die PDS-Chefin würde auch mit diesem Amt sehr behutsam umgehen, versichert sie. Das haut nun auch niemand vom Thron.

Doch ist das Jahr erst um, sehnt sich mancher vielleicht sogar die sanfte PDS-Regentschaft herbei. Denn erst auf dem Kalenderblatt Dezember enthüllt Oskar Lafontaine, dass er es als König manche seiner Untertanen wesentlich härter rannehmen würde als die realsozialistische PDS es sich auszudenken bereit ist. Unter Lafontaine nämlich müssten "unsere Modernisierer" ein Jahr lang ein Praktikum in einem Dritte-Welt-Betrieb machen. Zur Bedingung machen will der ehemalige SPD-Vorsitzende Hungerlöhne und Arbeitszeiten rund um die Uhr. Ohne Arbeitsschutz!

So eine Monarchie hat es noch nie im Leben gegeben. Da würde sich Lafontaine zum Modernisierer ganz eigener Art machen. Wie es dem Rest der Untertanen der königlich-linkssozialdemokratischen Regierung gehen soll, dazu sagt der einstige Spitzen-Genosse freilich nichts. Aber wir stellen uns schon vor, wie das Volk dem Oskar auf der Krone rumtanzen wird. Irgendwo fehlt er in der Politik. Aber der Monarchie trauern wir in Deutschland ja nun auch schon ziemlich lange nach.

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