Politik : Hinter den Linden: Party-Dialog

Sascha Klettke

Beim 65. einer Dame hätte man nicht gerade damit gerechnet, dass die Geburtstagsgäste mit verbundenen Augen über den Fußboden kriechen und mit Kochlöffeln auf Töpfe einschlagen. Aber die Geburtstagsparty von Rita Süssmuth in der CDU-Parteizentrale bot wirklich ein Kontrastprogramm zur Spaßgesellschaft. Frau Süssmuth hatte sich einen Dialog zum Geburtstag gewünscht, einen Dialog über den Dialog der Kulturen. Aber erstmal kam der Monolog.

Auf zehn Seiten hatte ein Professor für Religionspädagogik "Visionen ohne Illusionen" aufgeschrieben. Die trug er Blatt für Blatt vor. So richtige Partystimmung wollte dabei nicht aufkommen. Wie man später erfuhr, war der Gelehrte auch gar nicht als Entertainer engagiert. Für diesen Job war Michel Friedman vorgesehen. Er forderte vor allem zum Widersprechen auf und tat das auch reichlich selbst. Jeder von Friedmans Appellen zum Mut, auch der eigenen Mehrheit zu widersprechen, muss wie ein kleines Geburtstagsgeschenk für Rita Süssmuth gewesen sein.

Dass sie für Ihre Partei nicht immer ganz einfach war, bekam sie auch zu hören - allerdings als Kompliment verpackt. Schade ist, dass so wenige männliche Spitzenpolitiker der CDU ihre Geburtstagsbotschaft vom Dialog der Kulturen mitbekommen haben. Außer Heiner Geißler war kaum einer von ihnen da. Rita Süssmuth sagte, dass sie manchmal traurig ist, schon 65 zu sein. Das muss sie aber nicht, schließlich hat Udo Jürgens gesungen, dass erst nächstes Jahr das Leben so richtig anfängt. Und vielleicht singt er ihr dann auch ein Ständchen. Oder er hält einen Vortrag.

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