Politik : Hinter den Linden: Piep-Show

Markus Feldenkirchen

Jetzt wissen wir endlich, warum immer so viel von den Unterschieden zwischen Regierung und Union beim Thema Zuwanderung die Rede ist. Erklärt hat uns das der Abgeordnete Wolfgang Bosbach von der CDU, der dank seiner rheinischen Herkunft einen Hang zu pragmatischen Erklärungen hat: Am Tag, als der Bericht der Süssmuth-Kommission vorgestellt wurde, habe er insgesamt 31 Interviews gegeben, erzählte also Bosbach, der in der Unionsfraktion die Stelle des Vizechefs besetzt und daher recht gefragt ist. In den ersten 30 Interviews, so Bosbach, hätten die Journalisten als Allererstes gefragt: "Wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen dem Konzept der Union und dem der Regierungskommission?" Zugegeben: Maßlos kreativ ist das nicht, aber immerhin konfliktorientiert. Weil Bosbach ein durchaus höflicher Mann ist, hat er dann brav die Konflikte aufgezählt. Beim 31. Interview sei er dann aber gefragt worden, warum er denn immer nur über die Unterschiede rede, nie über die Gemeinsamkeiten. "Was soll man da noch sagen?", fragt Bosbach. Wir aber fragen uns nicht nur, was Politiker eigentlich den ganzen Tag zu tun haben, wenn ihnen nebenbei die Zeit für 31 Interviews bleibt. Nein, spannend ist jetzt natürlich die Frage, was man als Journalist anders machen kann, damit Politiker besser verstanden werden. Wir fragen also nach dem Konsens. "Frau Merkel, worin waren Sie sich heute mit Friedrich Merz einig?" Das wäre viel netter. Und menschlich dazu. Dann müssten führende CDU-Politikerinnen weniger weinen, weil andere führende CDU-Politiker sie angeblich nicht ausstehen können. Dann hätten sich alle wieder lieb. Piep Piep.

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