Politik : Hinter den Linden: Polit-Hunger

Antje Sirleschtov

Hurra, der Aufschwung hat die Bundespressekonferenz erreicht. Endlich ist Schluss mit dem Hunger im Berliner Regierungsviertel: Ab kommendem Montag können sich abgearbeitete Journalisten und ausgemergelte Politiker mit belegten Brötchen vollstopfen und heiße Süppchen dazu schlürfen.

Acht Wochen, nachdem das Restaurant Viehauser insolvent wurde und seine Türen schloss, ist es gelungen, einen Caterer davon zu überzeugen, den darbenden Regierungsbeobachtern wenigstens Brosamen anzubieten. Wer sich daran laben will, muss allerdings noch an der Bar stehen. Denn die Wieder-Eröffnung des einstigen Restaurants Viehauser mit einmaligem Blick auf die Baustellen Berlins und den Bundestags-Kindergarten wird noch auf sich warten lassen. Ein halbes Dutzend Gastronomen soll die Lokalitäten schon mal in Augenschein genommen und mit einer Übernahme geliebäugelt haben. Entschieden hat sich allerdings noch keiner.

Das ist nicht ganz unverständlich, schließlich kostet es einige Überwindung, ein Restaurant zu übernehmen, dessen Ruf bis dato vor allem dadurch geprägt wurde, dass man zu beinahe jeder Tageszeit mit 50 Personen unangemeldet zum Essen erscheinen konnte. Nur Mut, möchte man jedoch den potenziellen Viehauser-Nachfolgern zurufen. Den Ort umgibt nicht nur das Flair leerer Tische. Hier kann man auch ein einzigartiges Lokal betreiben, dessen Stühle, Tische und Kochtöpfe dem Bundesfinanzminister gehören. Und wo kann man sonst seine Gäste mit so leckeren Gerichten wie "Spartopf Hans" oder "Eichel im Blätterteigmantel" überraschen?

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