Politik : Hinter den Linden: Polyglotter Charme

Hans Monath

Sich selbst sehen die Deutschen als ein weltoffenes Volk, das allein schon wegen seiner grandiosen Exporterfolge - und natürlich wegen seiner grandiosen Vergangenheit - freundschaftliche Beziehungen mit vielen Ländern dieser Erde unterhält. Die eine oder andere Fremdsprache leistet dabei gute Dienste, zum Beispiel Englisch. Nun möchte aber jeder gern alle Informationen dieser Welt nutzen, auch wenn es mit dem Englischen ein bisschen hapert. Deshalb bieten Internet-Suchmaschinen Übersetzungsprogramme an.

Wer etwa über "Google" die BBC aufrufen will, weil die britischen Journalisten vor allem in ehemaligen Kolonien des United Kingdom (d.i. "Vereinigtes Königreich") gute Verbindungen haben, der kann gleich "diese Seite übersetzen" anklicken. Die Nachrichten sind dann sofort auf deutsch zu lesen: "Führender Palästinenser getötet im Knall", steht da, oder: "Busch lässt Licht von der Brezel scare". Darunter heißt es: "US-Präsident George W. Bush (diesmal ohne c!) geht voran mit seinem geplanten Zeitplan, nachdem er in Ohnmacht gefallen hat und gefallen ist, nachdem er auf einen Imbiß erdrosselt hat." Vielleicht fällt das Verständnis leichter, wenn man schon an anderer Stelle gelesen hat, dass Bush Herzflattern bekam und von der Couch fiel, weil er sich an einer Brezel verschluckt hatte.

Und noch ein Tipp für alle, die einsam sind: "Bilden Sie die neuen Freunde auf dem BBC englische Anzeigenbretter erlernend." Ohne Mühe zum polyglotten Charmeur. Wen interessiert da noch die Pisa-Studie? Zum Erfolg braucht es keine Schule - zumindest so lange nur das Übersetzungsprogramm funktioniert.

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