Politik : Hinter den Linden: Press Vorwaerts

Robert Birnbaum

Schwierig zu verstehen, wie eine Hi-Fi-Anlage funktioniert. Wir reden nicht von der Bedienungsanleitung für Laien: "Fur die gerade Einstellning vom die Treble mussen in menu VORWAERTS Pressdruck bis dahin." Wir reden nicht von der Tuninganweisung für Klangfanatiker: "Gießen Sie eine 1,764 Tonnen schwere Stahlbetonsäule nach Zeichnung 3 a). Montieren Sie darauf den Verstärkerblock GIGANTOMAN-II mit den Massivgold-Schrauben S-12 ..."

Nein, wir reden vom Schaltplan. Mit einem solchen hat eines der großen Magazine der Republik das Organisationsschema des Wahlkampfs von CDU und CSU verglichen. Das wurmte CDU und CSU. Laurenz Meyer - nur ein kleiner, bunter Widerstand? Thomas Goppel - eine Hochfrequenzdrossel? Michael Spreng - ein Siebkondensator zum Glätten der Versorgungsspannung? Dazwischen ein wirres Netz von Leiterbahnen? Das lassen sie nicht auf sich sitzen. Vor uns liegt nunmehr das original CDU/CSU-Organisationsdiagramm. Ganz einfach, besteht nur aus fünf Kästen. Oben die Polit-Spitze namens "Team 40plus", darunter "Koordinierung: Meyer, Goppel, Spreng" und ganz unten "Konrad-Adenauer-Haus", "Franz-Josef-Strauss-Haus" und "Stoiber-Team".

Der Elektroniker kennt derlei als Blockschaltbild. Modernste Hi-Fi-Anlagen sind so konstruiert. Wenn einer von diesen Blöcken plötzlich schräge Töne produziert, wechseln sie in der Werkstatt das ganze Modul aus statt nach defekten Einzelteilen zu fahnden. Praktisch. Wir lernen: Der Wahlkampf von CDU und CSU ist so organisiert wie modernste Hi-Fi-Anlagen. Nur ganz so praktisch ist er nicht. Blockweise Austauschen - das läuft da nicht.

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