Politik : Hinter den Linden: Reiseknausrig

Robert von Rimscha

Jetzt, wo Deutschlands Politiker osterurlaubend auf den Fincas ihrer mediterranen Freunde dösen, steigt in dem einen oder anderen der Gram auf. Da haben wir Flugaffären im Dutzend hinter uns, haben süddeutsche Ministerpräsidenten wegen diverser Mitnahmeeffekte abgesetzt und Kabinettsmitglieder wie Sparzar Hans Eichel wegen seiner Wochenendflüge mit parteipolitischem Kollateralnutzen ergiebig untersucht. Wir wollen die saubere Trennung zwischen Regierungsamt und Parteifunktion, vor allem bei der Zerlegung der 80-Stunden-Woche in Dienstliches, Privates und Parteiliches. Wir wollen unsere Politiker an der kurzen Leine.

So richtig auf den Geist geht Eichels Sparzwang Ludger Volmer, dem Staatsminister im Auswärtigen Amt. Manchmal schon absurd sei es, was er auf Auslandsreisen zu erdulden habe, rügt Volmer. Auf Staatsbesuch in Afrika könne es durchaus passieren, dass ihm die Botschaft vor Ort nicht einmal mehr ein fahrtüchtiges Auto zur Verfügung stellen könne. Dann bleibe oft nichts anderes übrig, als bei den Entwicklungshelfern betteln zu gehen, grummelt der Grüne.

Er muss es wissen. Kaum jemand muss zweitrangige Ziele häufiger bereisen als er. Welche Strecke das in der Addition ergibt, wissen wir noch nicht, Volmer und sein Chef Joschka Fischer sind ja weiter dienstlich unterwegs. Madeleine Albright, Fischers Ex-Kollegin, hat jetzt gerade bilanziert. In vier Jahren als Clintons Emissär ist sie 1 561 748 Kilometer um die Welt gereist. Und am Ziel stand stets ein fahrtüchtiges Auto. Davon träumt Ludger Volmer und wünscht sich Finanzminister Hans Eichel 1 561 748 Kilometer weit weg.

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