Politik : Hinter den Linden: Reklame-Gau

Lorenz Maroldt

Sprechen wir über die Zukunft. Reden wir über die Rente. Denn über die Rente muss ohnehin noch viel geredet werden.

Das sah in der vergangenen Wocher allerdings ganz anders aus, jedenfalls für Rentenminister Riester. In der freudigen Erwartung, jetzt sei - endlich, endlich! - die Rentenreform sicher, investierte der Minister in seine ganz persönliche Zukunft: Er ließ in einigen Magazinen zwei Seiten Platz für eine Werbekampagne kaufen. Links ist dort Riester selbst zu sehen, ein Lächeln auf den Lippen; die Arme hält er angewinkelt, die Hände öffnen sich - der Mann will uns etwas geben! Rechts, rot auf gelb, steht dazu die Botschaft des Ministeriums für Arbeit und Soziales ans Volk: "Über die neue Rente wurde viel geredet. Jetzt wird gehandelt".

So etwas nennt man Künstlerpech. Denn kurz bevor die Magazine unters Volk gebracht wurden, kam mal wieder alles anders. Die Koalition knibbelte das Reformpaket wieder auf und nahm den Ausgleichsfaktor heraus. Der Minister stand unverhofft im Wochenendregen. Die alten Anzeigen waren schon gedruckt, die neuesten Nachrichten wurden nachgeschoben. Im "Spiegel", wo Riester nach vermeintlich getaner Arbeit auf Seite 114 so selbstzufrieden lächelt, heißt es auf Seite 19: "Kanzler-Rüffel für Riester." Bei Fisch und Wein - "reichlich" - habe Schröder seinen Minister zurückgepfiffen. Im "Focus" lächelt Riester auf Seite 58; auf Seite 30 kratzt er sich zur Überschrift "Riesters Renten-Gau" verkniestert am Kopf.

Sprechen wir über die Zukunf, reden wir über die Rente - über Walter Riesters Rente. Denn darüber reden jetzt viele. Und Riester kann nur hoffen, dass nicht gehandelt wird.

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