Politik : Hinter den Linden: Rückkehr nach Bonn

Lorenz Maroldt

Brecht Hat Recht (M.R.R. natürlich auch). Wir stehen selbst enttäuscht und sehn besoffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen. Gerade eine Woche ist es her, dass sich das prominente und reportierende Volk beim Bundespresseball in Berlin beschwippste und berauschte, da lesen wir als Ankündigung für morgen das: "Bonn, 20 Uhr, Intern. Bonner Presseball mit Bundeskanzler Gerhard Schröder". Mit Schröder! Und womöglich auch noch mit Frau!

Rückblende. Sonnabend, 25. November, 4.05 Uhr, Hotel Interconti. Die letzten Gäste wanken von dannen, in der Hand die Geschenktüte der Sponsoren, Inhalt u.a.: eine Einmalsofortbildpappkamera und für den Heimweg den richtungsweisenden Band "Wo Gott wohnt". Die Büfetts sind ratzeputze leer, hier und da qualmen noch Stummel einst riesiger Davidoffs. (Am nächsten Tag wird die "Berliner Tafel", die Reste von Verköstigungsveranstaltungen aufsammelt, um sie an Bedürftige zu verteilen, sich bitterlich darüber beschweren, dass man sie mit ein paar pappigen Sandwiches abgespeist habe. Aber es war nichts anderes mehr da, wirklich). Wer ist der letzte Promi, an den sich die späten Gäste erinnern? Ex-Wirtschaftsminister Günter Rexrodt mit Frau? Mag sein, der war jedenfalls wenigstens da. Anders als der Kanzler, dem eine Auslandsdienstreise wichtiger war.

Aber Bonn. Was soll das? Ball paradox, Rutschbahneffekt zurück? Und was soll man dazu noch sagen?

Überlassen wir das Ende wieder Brecht, und zwar ganz original. - Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluß! Es muß ein guter sein, muß, muß, muß! - (Aber bitte in Berlin!)

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