Politik : Hinter den Linden: Rücksichten

Carsten Germis

Wenn Parteien ihre Heerscharen zusammenrufen, um auf Parteitagen ihr Führungspersonal zu bestimmen und politische Richtungsentscheidungen zu treffen, geschieht das zumeist an Wochenenden. Sonnabend und Sonntag sind die Tage, an denen die Delegierten sich ohne Stress ihrem politischen Engagement widmen können und nicht in einen Interessenkonflikt mit ihren beruflichen Verpflichtungen kommen. Anreise ist meist trotzdem bereits am Freitag. Der Grund: Die geselligen Zusammenkünfte am Vorabend geben den Parteitagen erst die rechte Würze. Da wird gekungelt, werden Mehrheiten geschmiedet oder auch nur mal das eine oder andere Bier mit Parteifreunden getrunken, die man selten sieht.

An diesem Wochenende ist die CSU an der Reihe. Sie trifft sich in Weiden in der Oberpfalz. Von Berlin aus dauert es, dorthin zu kommen. Was also tun? Unter den aktiven Parteitagsdelegierten sind naturgemäß viele Abgeordnete des Bundestags und der Landtage. Der Bundestag nimmt bei Parteitagen gerne Rücksicht und beendet die Arbeitswoche etwas früher.

Auch diesen Freitag soll wegen des CSU-Treffens in Weiden spätestens um 15 Uhr 30 Schluss sein. Die Liste der Plenarthemen wurde entsprechend gekürzt. Interessant ist allerdings, worüber die Fraktionen nicht mehr sprechen wollen, um rechtzeitig ins Wochenende zu kommen. "Abgesetzt" steht dick neben einer Aktuellen Stunde, die ursprünglich von der PDS beantragt worden war. Thema der Aktuellen Stunde sollte sein: "Faulenzer-Vorwürfe des Bundeskanzlers an die Adresse von Arbeitslosen". Da ist eine Landpartie für Abgeordnete natürlich attraktiver.

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