Politik : Hinter den Linden: Ruhm und Beamte

Carsten Germis

"Doch meine Verdienste, die blieben im Stillen." So sagt es der Wachtmeister in Friedrich Schillers Drama "Wallensteins Lager". Man kennt das. Da wird gewacht, geachtet, Sorge getragen; und niemand registriert es richtig.

Beachtung findet solche Arbeit nur dann, wenn doch etwas schief läuft. Oder wussten Sie, dass während der gesamten Zeit, als die russische Raumstation Mir in Richtung Erde trudelte, auch im Bundesinnenministerium wackere Beamte darüber wachten, dass alles glatt läuft? Das Ministerium hatte dafür extra einen Arbeitsstab gebildet. Der hat, von der Vorbereitung bis zum Abschluss des kontrollierten Absturzes der Mir, das gesamte Manöver aufmerksam begleitet.

Die ganze Zeit über standen die Mitarbeiter in ständigem Kontakt mit dem russischen Kontrollzentrum und natürlich auch den deutschen und anderen internationalen Raumfahrtorganisationen. In Berlin wussten die Beamten also immer, wie es um die Mir steht.

Und was wäre gewesen, wenn irgendetwas schief gelaufen wäre? Vorsorglich waren für diesen unwahrscheinlichen Fall die Katastrophenschutzstäbe der Länder und der Einsatzstab des Technischen Hilfswerks in Bereitschaft versetzt worden. Bei dieser vorsorglichen Bereitschaft blieb es, wie wir wissen.

Zumeist sind solche Einsätze, wie der des Mir-Arbeitsstabes im Bundesinnenministerium, ja reine Routine. Und doch hat die Bundesregierung die Nachricht vom planmäßigen, geglückten Absturz der Raumstation "mit großer Befriedigung zur Kenntnis genommen", teilte sie mit.

Und natürlich gab es am Ende für die russischen Wissenschaftler und Behörden, mit denen die Deutschen die ganze Zeit über so engen Kontakt hielten, auch Glückwünsche. Die Bundesregierung würdigte jedenfalls ausdrücklich "die hervorragende wissenschaftliche, technische und organisatorische Leistung bei der erfolgreichen Durchführung des Absturzmanövers der Mir".

Und noch etwas teilte das Innenministerium dabei mit. Der Arbeitsstab, von dem kaum jemand wusste, "wurde jetzt aufgelöst". Deswegen berichten wir an dieser Stelle nachträglich über sein Wirken in den vergangenen Wochen. Die Verdienste der so sorgfältig Wachenden sollen eben nicht im Stillen verborgen bleiben. Oder, um am Ende noch einmal Friedrich Schiller zu zitieren, dieses Mal mit einem Vers aus seinem Gedicht "An die Freude": "Dem Verdienste seine Kronen!"

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