Politik : Hinter den Linden: Schall und Rauch

Antje Sirleschtov

Haben Sie verstanden, warum der Bau-Konzern Holzmann Insolvenz anmelden musste, obwohl der Bundeskanzler noch vor drei Jahren von den Bauarbeitern für sein beherztes Eingreifen bejubelt wurde und der Schröder-Scheck bis heute noch nicht einmal eingelöst wurde? Ist ihnen klar, wieso der Medienkonzern Kirch trotz des Engagements der bayerischen Landesbank ins Trudeln kommt? Nein? Kein Wunder. Sie sind eines der unzähligen Opfer neuzeitlicher Politklüngeleien geworden.

Nicht, dass Sie das falsch verstehen: Weder Holzmann noch Kirch haben Parteien mit illegalen Spenden versorgt. Zumindest weiß man nichts davon. Die Klüngeleien sind versteckter. Da wird hier mal ein Kredit gegeben, dort mal eine Bürgschaft versprochen. Verschwiegen wird das der Öffentlichkeit mit gutem Grund. Denn zu viel Wissen fördert nur Politik- und Demokratieverdrossenheit.

Nur ein Politiker wagt sich jetzt mutig aus der Deckung. Hermann-Josef Arentz, CDU-Bundestagsabgeordneter und Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Arentz fordert die ultimative Offenheit für jedweden Eingriff von Politikern in unternehmerische Entscheidungen. Seine Idee lautet: Jede Liason von Politik und Wirtschaft muss im Namen der Unternehmen offenbar werden. Erster praktischer Vorschlag von Arentz: Der Konzern Holzmann soll in Zukunft nicht mehr Holzmann heißen sondern "Gerhard Holzmann". Bravo, Herr Arentz, die Mitarbeiter der Edmund Kirch Medien AG werden es ihnen danken. Und am Alex prangt wahrscheinlich schon bald das Logo der "Bankgesellschaft Eberhard".

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