Politik : Hinter den Linden: Schiefer Haussegen

Robert Birnbaum

Karl-Josef Laumann kommt aus dem Münsterland; infolgedessen ist er katholisch. Das ist für die folgende Betrachtung nicht ganz unwesentlich. Karl-Josef Laumann ist außerdem gelernter Maschinenschlosser; infolgedessen ist er Mitglied der IG Metall. Auch das sollten wir uns merken. Schließlich gilt es festzuhalten, dass Karl-Josef Laumann der oberste Arbeitnehmervertreter der CDU/CSU-Fraktion ist und als solcher Mitglied im Ausschuss des Bundestages für Arbeit und Soziales.

So, nun aber zur Sache. Karl-Josef Laumann hat einen Brief geschrieben, zusammen mit zwölf Kollegen von CDU und CSU. Der Brief ist adressiert an Walter Riester. Darin beglückwünschen die Unionschristen den Bundesarbeitsminister zum neu fertiggestellten Dienstsitz. Nur, leider, zur Eröffnungsfeier kämen sie nicht. Denn: "Zu unserem Bedauern wird die Einweihung ohne kirchlichen Segen stattfinden." Welches nicht nur mit einer Tradition breche, sondern symbolhaft aufzeige, dass man christliche Werte regierungsseitig für überflüssig halte. Und es folgt dann noch ein bitterböser Hinweis darauf, dass in Teilen des Riester-Dienstsitzes früher das Reichspropagandaministerium untergebracht war.

Nun ist es so, dass so ein Ministerium ein bisschen Ein-Weihung im ursprünglichen Wortsinne gewiss ganz gut brauchen könnte. Nicht wegen der Vergangenheit, denn der Haussegen hat mit der Austreibung eventueller böser Geister, vulgo Exorzismus, wenig gemein. Eher schon wegen der Zukunft, denn auf dem Werk der Regierenden soll Segen liegen.

Nur werden wir den Verdacht nicht los, dass es jenen 13 Abgeordneten von CDU und CSU um etwas anderes zu tun ist. Schuld daran ist Karl-Josef Laumann. Der hat am 11. Mai vorigen Jahres nämlich in einer Rede im Bundestag dem Walter Riester vorgehalten, der habe, als er noch IG-Metall-Vize war, das Beschäftigungsförderungsgesetz "bekämpft wie der Teufel das Weihwasser". Ja, wenn das so ist: Was wundert sich der Laumann dann?

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