Politik : Hinter den Linden: Schlaff

Robert von Rimscha

Holterdipolter, schwuppdiwupp, hopplahopp. Ein großer Auftritt, ganz à la Berlin. Und zuweilen ein schwacher Abgang. Das kann passieren, vor allem in noch jungen Hauptstädten. Das Holocaust-Plakat ist solch ein Fall, und ein zweiter, zugegebenermaßen harmloserer, spielt sich nur wenige Meter vom Amtssitz des Herrn Bundeskanzler ab. Da sind also zur Feier der sperrigen Schweiz und ihres Stolzes auf die vielhundertjährige Unabhängigkeit Ballons vor dem Kanzleramt eingepflanzt worden. Keine normalen Ballons, sondern riesige, in strahlendem Rot und Weiß, fünf- und sechsfach übereinander, in Quer- und Längsreihen, solide in schwarzen Bodenplatten verankert.

Auf dass der Besucher, wenn er denn südlich stehend den richtigen Blickwinkel erwischt, in der Gesamtheit der Ballons ein weißes Kreuz auf rotem Hintergrund erkennen möge, den luftigen Nachbau der Landesflagge also, und dahinter dann die Schweizerische Botschaft, den Nachbarbau des Kanzleramts am Ostrand des Tiergartens.

Nun ist die Feier schon ein paar Tage her. So wie die Love Parade. Doch während am Großen Stern die Sträucher neu gepflanzt sind, trudeln die Schweiz-Ballons noch immer ratlos in der Wechselwitterung aus Sommer-Schauern, Wind und Sonnenflecken. Der Hälfte der Schweiz ist zudem die Puste ausgegangen. Als schlaffe Säcke hängen sie traurig herab, die einstigen Protz-Ballons. Will die saubere Schweiz nach der Fete nicht aufräumen? Und will die Schweiz wirklich ein Image des Luftleeren, Erschlafften, Herabhängenden? Merke: Es zählt nicht nur die Symbolik, es zählt vor allem die Symbolik danach.

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