Politik : Hinter den Linden: Schlammschlachten

Andrea Dernbach

Nicht, dass an diesem Wochenende nichts los gewesen wäre hinter den Linden: Die FDP hat - vorerst folgenlos natürlich - Schluss gemacht mit der Wehrpflicht in Deutschland. Und 637 Delegierte waren dabei. Im andern politischen Lager hat der jüngste Krach um die hohen Spritpreise am Sonntag etwa ein halbes Dutzend rote und grüne Köpfe rebellisch gemacht. So richtig allerdings hat die Musik am Samstag und Sonntag aber unter anderen Berliner Bäumen gespielt: In der Wuhlheide, wo sich bis gestern etwa 15 000 Kinder und Erwachsenene trafen, um den Weltkindertag zu feiern. Und wir hier in der Politik haben schon fast beschlossen, das Thema im nächsten Jahr auf unsere Seiten zu ziehen.

Überzeugt hat uns die optische Aufbereitung des Ereignisses: Schlammschlachten erleben zwar auch die Beobachter der Linden recht häufig. Aber wenn wir versuchen, das Geschehen zu dokumentieren, bleiben uns nur Zitate - und die ewigen Politikerköpfe vor Mikrofonen. In der Wuhlheide war Matschen dagegen gestern nicht nur Programm, es gibt auch Fotos schlammverschmierter Teilnehmer. Und richtig Politik wurde auch gemacht. Dem Regierenden Bürgermeister durften die Jungen und Mädchen sagen, was sie ändern würden, wenn sie einen Tag lang Diepgen spielen könnten.

Übrigens, auch die Jugendministerin war dabei. Allerdings auf einer Konkurrenzveranstaltung außerhalb Berlins. Und wir können nur vermuten, warum: Christine Bergmann, zu deren Ressort ihrem Kanzler einst nur "Gedöns" einfiel, eröffnete das bundesweit größte Fest zum Weltkindertag in diesem Jahr - mit 100 000 Teilnehmern. In Hannover.

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