Politik : Hinter den Linden: Schnelles Europa

Robert von Rimscha

Fühlbar sollte Europa werden. Spürbar. Deshalb klingelt der Euro im Portemonnaie. Joschka Fischer und Gerhard Schröder haben ausgemalt, wie sinnlich das kontinentale Zusammenrücken erlebt werde, sobald man mit demselben Geld von Berlin bis nach Lissabon reist. Das können wir jetzt. Die umgekehrte Frage indes haben die Regierenden nie beantwortet: Wie erfühlt der Nicht-Reisende die Europa-Dimension des Euro? Wer Toskana und Algarve links liegen lässt, wer lieber Neuengland, die Türkei oder Kenia bereist, was spürt der von der sinnlich-europäischen Dimension des Euro?

Die Antwort fand sich am Sonnabend um 15 Uhr im Geldbeutel des Autors. Ein Café am Ufer der Spree hatte Münzgeld zurückzugeben. Und siehe da, der Euro war der erste ausländische. Statt des Bundesadlers prangte "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auf der Rückseite - auf französisch! Einen Monat und drei Tage hat es also gedauert, bis die grenzüberschreitende Währung in die Geldbörse hineindiffundiert ist, bis die erste teil-fremde Münze ihren Weg ans Spreeufer gefunden hat. So schnell ist Europa. Oder so langsam. 34 Tage der Osmose, 34 Tage für den Weg aus Lyon, Straßburg, Marseille oder Paris nach Berlin.

Doch halt, was ist das? Geprägt wurde der Franko-Euro, so steht es am Rand, im Jahre 1999. So schnell ist Frankreich! Machen die neue Währung drei Jahre, bevor sie als Bargeld eingeführt wird! Die deutschen Ein-Euro-Münzen hingegen behaupten alle, 2002 geprägt worden zu sein. Was auch irgendwie misstrauisch stimmt. Abhebbar seit dem 1. Januar, zuvor schon im Starterkit, aber geprägt 2002? Rätselhaftes Europa!

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