Politik : Hinter den Linden: Schule der Logik

Ulrike Fokken

Logik ist nicht Jedermanns Sache. Das war schon früher in der Schule so. Wenn der Mathematiklehrer mit Zahlen und Buchstabenkolonnen, säuberlich durch allerlei runde und eckige Klammern, Kommata, Plus- und Minuszeichen getrennt, die Tafel samt ausklappbarer Seitenflügel vollschrieb und zum Schluss behauptete, die simple Gleichung am Ende - sagen wir mal a = 1 - sei logisch, dann schalteten innerlich die meisten Schüler ab. Auch ein quod erat demonstrandum - was zu beweisen war - konnte nicht jeden überzeugen. Schön wäre es, wenn der Beweis der Logik so einfach zu erbringen wäre. Wieviel logischer erschien doch die Aussagenlogik, die auch einfacheren Gemütern einleuchtete. Schließlich geht es dabei nicht immer um abstrakte Gebilde, sondern um Worte. Und derer ist man doch viel leichter mächtig, als der Zahlen und Klammern und so weiter. Die simple Logik eines Satzes wie "Wenn es klingelt, dann ist Pause" verstand eigentlich jeder. Aber auch in der klassischen Aussagenlogik kann der Denkende an seine Grenzen stoßen. Ein Beispiel: "Wenn die Ökosteuer ökologisch sein soll, dann ist jemand, der einmal ein Eisbein gegessen hat, Polarforscher." Dieser Satz stellt höchste Ansprüche an die Logik. Das liegt vermutlich daran, dass er von Laurenz Meyer, dem Generalsekretär der CDU, stammt. Zunächst ist die Grammatik verwirrend, denn Meyer begnügt sich nicht mit einer Aussage nach dem Muster " Wenn das und das ist, dann ist soundso". Nein, etwas von dem alle wissen, dass es zunächst nicht ist, soll sein. Verwirrt? Völlig zu recht, denn die Ökosteuer soll nicht ökologisch sein, sie soll ökologisch wirken. Sie soll Energie verteuern, damit die logisch geschulten Bürger sparsamer damit umgehen. Denn sie wissen: "Wenn ich weniger Energie verbrauche, dann schone ich die Umwelt." Aber auch der zweite Teil der Meyerschen Logik stellt höchste Ansprüche an das Denkvermögen. "Jemand, der einmal Eisbein gegessen hat, ist Polarforscher." Schwierig. Eisbein ist ein deutsches Traditionsgericht, das in allen Post-Meyer-Generationen aus der Mode gekommen ist. Polarforscher ist ein seltener und vermutlich ziemlich spannender Beruf. Dass Polarforscher Eisbein essen, ist möglich, aber keinesfalls zwingend. Dass Eisbeinesser Polarforscher sind, ist im Sinne des Umweltschutzes in der Arktis allerdings gewiss nicht wünschenswert. Denn welche logischen Schlüsse würde CDU-General Meyer wohl dann aus den schmelzenden Polkappen ziehen?

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