Politik : Hinter den Linden: Schwundformen

H(ans) Monath

Heißt der Bundespräsident von nun an J. Rau, der Kanzler G. Schröder, der Bundesratspräsident K. Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident M. Stolpe? Nein, wenn Franz Müntefering von seinen Parteifreunden spricht, dann darf jeder seinen ganzen Namen behalten. Vornamen sind beim Umgang von Genossen mit Genossen schließlich wichtig. Man kann sich das vorstellen: Du Johannes, kannst du mal unser Gesetz unterschreiben? Du Gerhard, du musst was für den DGB tun. Du Klaus, wenn der Manfred dann wieder Ja sagt ...

Beschäftigt sich der SPD-Generalsekretär allerdings mit dem Kanzlerkandidaten der Union, so spricht er seit einigen Wochen meist nur noch eine verstümmelte Schwundform von dessen ganzem Namen aus: "Auch in Frankfurt, beim so genannten Wahlkampfauftakt der CDU, hat E. Stoiber wieder viel geredet, aber wenig gesagt", erklärt Müntefering dann etwa. "E. Stoiber" - und wo bleibt der ganze Edmund?

Was hat sich F. Müntefering, der doch eigentlich eine ehrliche Haut sein will, mit diesem Abkürzungsfimmel nur gedacht? Will M. Üntefering seinen politischen Gegner herabsetzen? Kann man sich vorstellen, dass Ü. Ntefering, dem doch windungsreiche Strategien und Verstellungen fremd sein sollten, damit bewusst ein kleines, gemeines Signal der Missachtung aussendet? Ausgerechnet N. Tefering, der Mann aus Westfalen? Wie würde T. Efering wohl reagieren, wenn sein eigener Name verstümmelt würde? Merkt E. Fering nicht, dass er seinen Ruf verspielt? F. Ering, der Parteistratege der SPD. E. Ring? Hören Sie auf, R. Ing.! Nehmen Sie, werter I. Ng., bevor es ganz zu spät ist, diesen Ratschlag von:

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben