Politik : Hinter den Linden: Selbsthilfe

Robert Birnbaum

Die alten Ägypter haben an den Phoenix geglaubt. Am Nil haben sie sich dieses Fabelwesen als Vogel vorgestellt, der eine etwas sonderbare Art hatte, mit den Zeitläuften klar zu kommen: Alle 500 Jahre verbrannte sich der Gefiederte selbst, um aus der Asche runderneuert emporzusteigen. Der Vogel Phoenix also ist etwas, was nicht totzukriegen ist. Ob das der Grund war, warum die Programmgewaltigen von ARD und ZDF vor fünf Jahren ihren neuen Politik-dauernd-live-Kanal nach dem alten Ägypter nannten? Das Ding jedenfalls lebt, es läuft nicht schlecht, und sogar wir hier hinter den Linden haben uns daran gewöhnt, dass bei jeder mittelprächtigen Pressekonferenz zu unseren Füssen ein Jung-Techniker mit einer meterlangen Mikrofonhalterstange umherkriecht und uns das Ding unter die Nase hält, sobald wir eine Frage stellen. Es soll Kollegen geben, die angesichts der ständig zu gewärtigenden Beförderung zum Sekunden-Fernsehstar auf ihr Äußeres gesteigerten Wert legen. Der neue Vogel Phoenix trägt ja diesbezüglich doch sehr zur Transparenz bei. Insbesondere die Pressekonferenzen der Regierungssprecherinnen und -sprecher sind, seit sie in alle Welt übertragen werden, geradezu durchsichtig geworden, dünn wie die schillernde Haut der Seifenblase...

Am Mittwoch aber hat Phoenix Geburtstag gefeiert, im Atrium vor dem Saal der Pressekonferenz. Und hat ein Riesen-Banner aufgehängt mit dem Sender-Logo, genau vor die Glasfront dieses Saales. Wer wissen wollte, was dahinter geschah, hatte zwei Möglichkeiten: Durch verwinkelte Gänge und Hintereingang in den Saal schleichen. Oder "Phoenix" gucken. So macht man sich unentbehrlich.

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