Politik : Hinter den Linden: Souverän

Robert Ide

"Ich bin da", ruft eine junge Stimme aus dem deutschen Blätterwald. Wieder wurde eine Zeitschrift geboren und wieder ein klangvoller Name verpasst. "Souverän" heißt das neue Hochglanz-Magazin der Senioren-Union der CDU. Auf den ersten Blick eine runde Sache - doch es war eine schwere Geburt. Schon der Name sorgte für Ärger. "Mach mit!", lautete die erste Idee in der CDU-Zentrale. Aber das klang wohl zu sehr nach Love Parade und Gerhard Schröder.

Für christliche Senioren musste ein Titel mit Niveau her. Der zweite Vorschlag lautete deshalb "Lebensart". Doch auch diese Variante scheiterte - diesmal am Urheberrecht. Nun also "Souverän". Ein Name, der zu großem Journalismus verpflichtet. Kein Wunder, dass die Macher heiße Themen mutig anpacken. In einem Porträt wird die "Offenheit und Zwanglosigkeit" von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer als "gelegentliches Problem" kritisiert. Doch Meyer kann geholfen werden: ein paar Seiten weiter werden Duft- und Aromastoffe zur Beruhigung empfohlen: Bienenwachs, Mandarine und Sandelholz.

Zurück zu den Wurzeln führt auch ein anderer Text. Unter der Überschrift "Modern Talking" übersetzt der "Souverän" englische Wörter ins Deutsche. Senioren können nachlesen, dass ein Airbag ein "Prallkissen", Smalltalk nichts weiter als "Geschwätz" ist und dass ein Thriller auch "Reißer" genannt wird. Schade nur, dass die Erklärung für das Wort "Souverän" fehlt. Im Duden lautet die Übersetzung: unumschränkter Herrscher, Fürst eines Landes. Mit so was hat die CDU ja nicht so gute Erfahrungen gemacht. Ob Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf auch zu den Abonnenten gehören?

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