Politik : Hinter den Linden: Spartage

Robert Birnbaum

Richtig sparen ist schwer. Schon wegen des Doppelsinns, der im Wort "richtig" steckt. Variante eins: "Jetzt wollen wir mal so richtig sparen!" Vor unserem inneren Auge erscheint prompt der Weltspartag unserer Kinderzeit. Da gab es in den Sparkassen Sparschweine und Buntstifte und Malblöcke und alles umsonst. Dazu aber einen Kontoeröffnungsantrag. Schwupps, war das Taschengeld verschwunden in Tresoren, und zwar für lange Zeit, weil es aufgespart wurde für "etwas Vernünftiges". Solche Erlebnisse machen das "so richtig sparen" lebenslang schwer, gerade wenn es vernünftig wäre.

Kommen wir nun zur Variante zwei. Dazu erzählen wir eine kleine Geschichte. Zu deren Verständnis ist es nötig zu wissen, dass in manchen Redaktionsstuben hinter den Linden neuerdings ein rauerer Wind weht. Die Verlage verdienen nicht mehr so, weil das Anzeigen-Geschäft rückläufig ist - nix mehr New Economy. Einige Zeitungen sparen sich gleich ganze Redaktionen. Andere begnügen sich mit Abstrichen, etwa am Reiseetat. So was spricht sich aber herum und ist dem Ruf des fraglichen Presseorgans in den inneren Zirkeln nicht so besonders förderlich.

Neulich hat es sich herumgesprochen, dass eine Zeitung - nicht die unsere, das nur zur Klarstellung - keinen Korrespondenten mit dem Bundeskanzler nach Asien schicken durfte. Ruft wenig später ein Redakteur jener Zeitung bei der Pressestelle eines Ministeriums an. Will gerade seine Frage stellen. Aber der Sprecher hat erst mal mit besorgter Stimme eine Gegenfrage: "Sollen wir zurückrufen?" Richtig sparen ist halt schwer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar