Politik : Hinter den Linden: Spaß auf Spaß

Hans Monath

Wer wird es den gebeutelten Grünen verdenken, wenn sie sich selbst einmal richtig toll finden und entsprechend feiern wollen? Auch Politiker, die sich in den vergangenen Tagen mit den Stimmenverlusten bei den Landtagswahlen und Verratsvorwürfen der Atomkraft-Gegner aus dem Wendland herumschlagen mussten, haben ein Recht auf gute Laune. Und also machten die Grünen einen Empfang, um eine gesetzgeberische Großtat zu feiern: Am 1. April vor einem Jahr war das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien in Kraft getreten. Diese sperrige Bezeichnung klingt in grünen Ohren geradezu euphorisierend. Entsprechend aufgeräumt war die Stimmung am Montagabend in der Schalterhalle des Ehemaligen Kaiserlichen Haupttelegraphenamtes in Berlin-Mitte. Endlich pries auch einmal ein Vertreter jener Umweltschutzorganisationen die Regierungspartei, die ihr sonst gern Verrat der eigenen Ideale vorhalten: "Das gute Management der grünen Fraktion und des Bundesumweltministeriums unter Jürgen Trittin" hätten den Erfolg erst ermöglicht, sagte erfreut der BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm. Auch der Minister, der in der vergangenen Woche von Freund und Feind geprügelt worden war, durfte in Applaus baden: Jürgen Trittin. Ihn lobten sogar Grünen-Politiker, von denen man weiß, dass Trittins Abgang für sie Anlass für eine Riesenfete wäre. Fraktionschef Rezzo Schlauch etwa erzählte, wie "Jürgen und ich den Deckel draufmachten", auf das Gesetz nämlich. Zum Dasein eines Spitzenpolitikers gehört eben auch paradoxes Verhalten. An dem Satz, wonach die Steigerungsformen des Begriffs Feind die Begriffe Todfeind und Parteifreund sind, muss doch etwas dran sein.

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