Politik : Hinter den Linden: Spaßeshalber

Markus Feldenkirchen

Die Jusos haben auf ihrem Bundeskongress in Köln die "Zerschlagung alter preußischer Strukturen", die Umbenennung aller Bismarckstraßen in "Boulevard Napoleon" und den Wiederumzug der Regierung nach Bonn gefordert. Den Titel Hauptstadt soll die Weltstadt am Rhein natürlich ebenfalls zurückerhalten. Hahaha. Da sage nochmal einer, die Jusos seien ein staubtrockenes, gremienbesessenes Sammelbecken für humorfreie Weltverbesserer.

Der oben erwähnte preußen- und berlinfeindliche Beschluss trägt die Überschrift "Das Rheinland - Frei und sozialistisch soll es sein". Er geht zurück auf einen sogenannten "Spaßantrag", der bei Kongressen der Jungsozialisten eine ähnliche Tradition hat wie die Grabenkämpfe zwischen Reformsozialisten, Nordlinken, Post-Stamokapisten und was da sonst noch alles rumintrigiert.

Auf einer Konferenz in Düsseldorf hatten die mehrheitlich Kölner Delegierten sich einst mit ihrem Antrag durchgesetzt, wonach auf dem Treffen kein Alt-Bier, sondern nur Kölsch getrunken werden durfte. In guter Erinnerung ist auch der Star-Treck-Antrag des Landesverbands Bayern, der vorsah, 90 Prozent der bundesdeutschen Forschungsmittel in die Beam-Forschung zu stecken, um feindliche Juso-Flügel leichter entsorgen zu können. Ein Änderungsantrag des eher ökologisch orientierten Verbandes Niederrhein wollte damals jedoch zunächst die Geschwindigkeitsbegrenzung im Weltall auf fünf Warp festlegen.

Die Bürger Berlins müssen jedoch nicht um ihren Hauptstadt-Titel fürchten. Die Verlegung des Juso-Bundesbüros nach Palma de Mallorca - auf dem Bundeskongress 1996 beschlossen - wurde bis heute nicht umgesetzt.

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