Politik : Hinter den Linden: Spielen, nicht stehen

Ulrike Fokken

Sport ist gesund. Egal ob Schwimmen, Rad fahren, Bodenturnen oder Langlaufen - die sportliche Betätigung regt den Kreislauf an, stärkt die Lunge, kräftigt die Muskeln und regt die Hormonproduktion an. Sagen jedenfalls die Ärzte und die Gesundheitspolitiker. Aber an der Geschichte mit den Hormonen muss was dran sein, denn Freizeitsportler fühlen sich nach 1500 Meter Schwimmen entspannter als zuvor, Skilangläufer nach zwei Stunden auf den Brettern glücklicher als nach einer Stunde vor dem Fernseher. Deswegen gehen die angespannten Mitarbeiter in der New Economy auch nach der Arbeit fast alle zum Sport. Mitglieder der New Regierung verirren sich leider nur selten unter die nach Ausgleich und Zufriedenheit strebenden Menschen in den Sporthallen. Schade, denn wie viel entspannter wäre Innenminister Otto Schily wohl, wenn er regelmäßige Endorphinschübe hätte. Joschka Fischer scheint gereizter, seitdem er nicht mehr regelmäßig laufen kann. Und Walter Riester wirkt auch nicht eben glücklich, wie er da so mitten im gestellten Gespräch für eine Anzeige abgelichtet wurde. Dabei täte dem schmächtigen Arbeitsminister Sport gut. Vielleicht eine Ballsportart, mit schnellem Wechsel zwischen Standbein und Spielbein. Das ist nämlich nicht gerade Riesters Stärke. Er spielt mit zwei Standbeinen, wie es in der Anzeige heißt. Kein Wunder, dass er so nicht voran kommt, wenn er mit beiden Beinen fest steht und doch eigentlich virtuos den Ball, der da Rentenreform heißt, ins Tor des Bundestages bringen soll. Das klappt nur mit einem trainierten Spielbein, das auf den Spielverlauf schnell reagiert. Wenn der Ball fällt, dann macht Sport auch wieder glücklich.

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