Politik : Hinter den Linden: Spur der Stones

Matthias Meisner

So haben wir uns das vorgestellt. Eine heranwachsende graue Maus in Suhl, die heutige PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer. Befragt nach ihrem Musikgeschmack, sagt sie: "Zunächst war ich Beatles-Fan, von der Jugendweihe bis zum Studium." Mit leichtem Pop also ist Gabi Zimmer aufgewachsen - hängt ihr auch daher der Ruf an, schwach zu sein?

Inzwischen gibt sich die PDS-Chefin, 100 Tage im Amt, kämpferisch. Beim Neujahrsempfang ihrer Partei am Montag in Berlin demonstrierte sie, dass sie nicht alles mit sich machen lässt. Als Parteivize Diether Dehm zum Zwischenruf anhob, bekam er vor versammeltem Publikum eins vor den Bug: "Ich werde keinen Vorsprecher in meinem Umfeld dulden." Das galt zunächst Dehm, aber manche sahen die Anspielung auch auf Parteimanager Dietmar Bartsch gemünzt, der sich schon lange für den besseren Vorsitzenden hält.

War da noch was? Dem Buchautor Hans-Dieter Schütt vertraute die Spitzengenossin an, dass sich ihr Musikgeschmack nach der Hochschule geändert habe. Seitdem seien ihr die Rolling Stones lieber: "Die Texte sind härter, kräftiger, kompromissloser in ihrer Lautstärke, irgendwie erdiger und rabiater im Lebensgefühl."

Sollten wir uns in Gabi Zimmer getäuscht haben? Zimmers Vorgänger im Vorsitzenden-Amt, Lothar Bisky, taugt als Kronzeuge nicht. Der befasste sich als Professor für Kulturtheorie in der DDR mit dem Rockgeschäft. Und vor der Wende philosophierte er auch über den Jet-Set der Stones: "Ihre Rebellion erschreckt nicht die Erbinnen großer Vermögen und Filmstars. Sie kitzelt nur ihre Nerven." Wieder nichts mit rabiat. Tut uns leid, Gabi.

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