Politik : Hinter den Linden: Stimmungssache

Robert von Rimscha

Seit Wochen beobachten wir nun, wie der Kanzler schwankt. Nicht politisch, da gilt die uneingeschränkte Solidarität. Aber atmosphärisch. Zwischen Anspannung, Galgenhumor, Unwirschheit. Mal nervös, mal gar nicht steif, mal barsch.

Zum Start ins Wochenende gab sich Gerhard Schröder von der britisch-ironischen Seite. Das ist jener lockere Kanzler, der in Washington George W. Bush mit Bemerkungen unterbricht wie jener, Probleme mit Indiskretionen kenne er auch, oder: Die Grünen seien sein Problem. Jetzt war der chinesische Vizepräsident Hu zu Besuch bei Schröder, immerhin jener KP-Funktionär, der als Favorit für die Nachfolge von Staats- und Parteichefs Jiang gehandelt wird. Schröder bezeichnete die deutsch-chinesischen Beziehungen übrigens als "ausgezeichnet" und attestierte der Verbindung ein "sehr sehr hohes Niveau", und auch Hu sprach nicht ohne Süffisanz von einer "gegenwärtig sehr gut entwickelten" Beziehung.

Nur die Fragen der chinesischen Journalis-ten, die gefielen Schröder nicht. Sie waren schlicht zu lang. Eine Doppelfrage wollte gar nicht enden. Schröder also lehnte sich lächelnd ganz weit über sein Stehpult vor und sagte mit väterlichem Ton: "Kein Vortrag!" Dann beantwortete er den ersten Teil. Den zweiten hatte er darüber vergessen, und der Chinese schaffte es, gerafft seine Frage zu wiederholen. Schröder antwortete brav und meinte dann gönnerhaft: "Jetzt entweder zwei Deutsche mit einer Frage oder ein Deutscher mit zwei Fragen!"

So ist er, unser Bundeskanzler. Nie um eine kesse Randbemerkung verlegen. Nein, so ist er nicht. So kann er sein. Auch in diesen Zeiten.

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