Politik : Hinter den Linden: Straße, street, la rue

Hans Monath

Ganz einfach gesagt, verhält es sich so: Eine Straße ist eine Straße ist eine Straße. Das gilt grundsätzlich auch rund um den Deutschen Bundestag, selbst wenn in unmittelbarer Nähe des Parlaments - man denke nur an die Bannmeile - manche Sonderregelung greift. Was aber passiert, wenn eine wunderbare Straße vor aller Augen und, viel wichtiger, vor aller Füßen liegt, aber nicht betreten werden darf? Ja, dann gibt es böses Blut, so wie in den vergangenen Monaten östlich des Reichstags an einem Abschnitt der Dorotheenstraße.

Die nämlich bietet den kürzesten Weg zwischen vielen Abgeordneten-, Mitarbeiter- und Journalistenbüros rund um die nördliche Wilhelmstraße und eben dem Bundestag. Aber obwohl die aparte Teerstraße sich plan und einladend zwischen den Blöcken des gerade fertiggestellten Neubaus des Jakob-Kaiser-Hauses erstreckte, standen an beiden Enden wortkarge Sicherheitskräfte, die niemanden außer den Abgeordneten durchließen und auch wirklich nicht diskutieren wollten.

Jetzt aber ist der Ärger vorbei, hoffentlich für immer: Die Passage zwischen den mintgrünen Fassaden ist endlich offen für Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger. Man spart wertvolle Minuten und genießt sogar noch einen Metropolenblick auf den Fernsehturm vor Stadtlandschaft, wenn man in östlicher Richtung geht, also vom Reichstag weg. Clara-Zetkin-Straße hieß die Verbindung, als hier noch andere in dieser Gegend das Sagen hatten. Dorothee, der alte Name, klingt weitaus schöner. Eine Straße (street, la rue, strada, straat, estrada) ist eine Straße, ist eine Straße. Und manchmal sogar ein bisschen mehr.

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