Politik : Hinter den Linden: Stress-Abbau

Markus Feldenkirchen

Es liegt am Ernst der Sache, dass während der Verhandlungen über den Bundeshaushalt vor allem eines steigt: der Stressfaktor der Verhandelnden. Aber: Kein Grund zur Sorge, denn der Blick in einen medizinischen Ratgeber verrät, dass Stress auch Energien frei macht, "die verarbeitet werden müssen, z.B. durch Türenknallen, Schreien, mit der Faust auf den Tisch hauen, Gartenarbeit und Sport".

Für Sport im Dienst haben Mister und Misses Minister entweder keine Zeit oder die falsche Figur. Fällt also schon mal weg. Weil es in keinem Ministerium Gärten sondern allenfalls "begrünte Innenhöfe und Tiefgaragendächer" gibt und die auch noch von Profis (nicht die Grünen) verwaltet werden, kommt auch die Gartenarbeit nicht in Frage. Bleibt also: Schreien, Faust auf Tisch hauen und Türenknallen. Alles Tätigkeiten, die neben dem Stress-Abbau auch glänzend geeignet sind, den stolzen Finanz-Hans ein wenig einzuschüchtern, um ihm so ein paar Millionen mehr zu entlocken.

Eine Dame soll in diesem Jahr besonders kratzbürstig gewesen sein. Beobachter berichten, dass Forschungsministerin Bulmahn tatsächlich Eichelsche Türen geknallt und ihre Stimme in unappetitliche Höhen geschraubt habe. Eichel gab aus Angst um Scharnier und Gehör nach. Die Forschungsministerin hat jetzt 400 Millionen Mark mehr in der Kasse. Sie wirkte zudem völlig stressfrei. Weniger erfolgreich soll die Drohmethode des Verteidigungsministers gewesen sein. Es ist nur ein Gerücht, dass Scharping Panzerverbände zum Vormarsch auf das Finanzminsterium beordert hat, die Panzer aber wegen Spritmangel steckengeblieben sind.

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