Politik : Hinter den Linden: Taube und Sichel

Markus Feldenkirchen

Mit der Mitte ist es so eine Sache. Gerade in der Politik. Jeder will sie besetzen, oft ist dort nur Platz für einen und wenn der andere sich ein Stück davon abschneidet, sinkt der andere schnell in ein Umfrageloch. Trotzdem beginnt der Kampf um die Mitte alle vier Jahre neu. Dafür werden dann ganze Kampas inmitten von Parteizentralen installiert, wo mittelmäßige Strategien mit Hilfe hoher finanzieller Mittel ermittelt werden. Die SPD wollte bei diesem immergleichen Gemetzel um die immergleiche Mitte irgendwann nicht mehr mitmachen und tat etwas Revolutionäres: Sie bastelte sich eine andere und nannte sie "Neue Mitte". Hat auch prima funktioniert, weil Gerhard Schröder mit der auch optisch fein gegrafikten Neuen Mitte die Wahl und somit ein neues Amt gewann.

Der Rest ist Geschichte, die sich entgegen den Prognosen des Karl Marx bisweilen doch wiederholt. Der Vize-Chef der PDS und gebürtige Österreicher Peter Porsch hat sich nämlich des großen Marketing-Erfolgs der SPD besonnen und das Prinzip einfach auf sein eigenes Produkt übertragen. Porsch hat in einem Interview nun erstmals von einem "Neuen Sozialismus" gesprochen, der in Deutschland möglich sei. Zwar mag man einwenden, dass Deutschland bislang keine guten Erfahrungen mit den politischen Visionen österreichischer Einwanderer gemacht hat. Aber Porschs Ziele, für die in dieser Kolumne leider, leider der Platz fehlt, sind edel, hilfreich und gut. Nach dem Turbo-Kapitalismus der Porsch-Sozialismus. Fehlt nur noch das passende Design, ein Logo, na Logo. Denkbar wären Taube und Sichel. Oder gleich ein durchgestrichener Ellenbogen.

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