Politik : Hinter den Linden: Tierisch

Markus Feldenkirchen

Immer wieder schreiben uns Haustierbesitzer, Zoo-Betreiber und leidenschaftliche Gassi-Geher, dass die Tierwelt in dieser Kolumne so kurz komme wie das Geschlechtsteil der männlichen Buchsbaumkröte. Wir haben dies ernst genommen und im Linden-Archiv zurückgeblättert. In der Tat: es herrscht Animalflaute in dieser Rubrik, sieht man von Spitznamen für die hohen Tiere der Politik wie den "schlafenden Löwen von Wiesbaden" (Wolfgang Gerhardt) oder die "badende Ziege" (wer wohl?) einmal ab.

Schaut man sich zudem die Nachrichtenlage an, ist gerade heute das Verlangen groß, selbst über Tierisches zu schreiben: Da lesen wir, dass der einäugige Löwe von Kabul, Symbol für die Hoffnung auf bessere Zeiten in Afghanistan, den Nierentod gestorben ist. Marjan sei halbblind, lahm und zahnlos gewesen, heißt es. Oder die Elefantenherde in Indien, die ihr Baby vermisste, das von einem Zug überfahren wurde, weshalb die Herde aus Protest sechs Stunden lang die Gleise blockierte. Oder die Affen von Hongkong, die Verhütungsmittel bekommen, weil der Grad der Affenintegrationskapazität in Hongkong offenbar überschritten ist.

Hinter den Linden hingegen ist auch nach einem intensiven Sonntagsspaziergang durch das Regierungsviertel keine solche Geschichte in Sicht. Eine letzte Hoffnung hat der EU-Verbraucherkommissar zerstört. Er stoppte die Einfuhr von chinesischen Shrimps, Hühnern, Puten und Kaninchen. Das ist für uns Tierfreunde wahrlich bedauerlich, auch wenn die Viecher ohnehin nur in verarbeiteter Form hätten zu uns kommen sollen. Aber angesichts der Tierarmut in unserem Milieu hätte man sich selbst darüber gefreut!

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