Politik : Hinter den Linden: Trennungsgeld

Robert Birnbaum

"Verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale" - ja ist es denn ein Wunder, dass die Roten und die Grünen sich dauernd in die Haare kriegen, von denen im Bund und denen in den Ländern zu schweigen? Wenn etwas schon so heißt, das wird nix. Das versteht nämlich keiner. Kilometerpauschale, wie früher - okay. Schon der Name machte deutlich, um was es sich handelt. "Kilometer" ist als Maßeinheit noch nicht lange im Gebrauch. Die Vermutung, dass es überhaupt erst mit der Ausbreitung des Automobils in die Umgangssprache Eingang gefunden hat, dürfte sich unschwer wissenschaftlich erhärten lassen. Vorher hat man in Tagesmärschen gedacht, später in Kutsch- oder Eisenbahnfahrstunden. Kilometer hat mit Tachometer zu tun, also mit Auto. Das setzen wir in die Steuererklärung ein. Alles klar.

Aber wer, wenn er nicht ein Physiker ist oder Astronom, kann mit "Entfernung" etwas anfangen? Keiner. Darum wird das nix. Wir unterbreiten hiermit der Regierungskoalition einen Vorschlag zur Güte: Vergesst den Begriff. Sucht nach einem anderen. Euch fällt keiner ein? Och, das ist simpel. Wie wäre es mit "Wegegeld"? Zu nahe an "Wegelagerei"? Euch fällt schon was ein. Aber den alten Begriff, den solltet ihr gründlich entsorgen. Am besten, ihr widmet ihn um, damit er künftig für eine andere Sache steht und euch nicht mehr in die Quere kommt. Wie das geht? Ganz einfach. Wenn der Kanzler wieder mal einem Minister den Laufpass gibt, und der Minister kriegt zum Trost ein Übergangsgeld, wie nennen wir das dann? "Verkehrsministerunabhängige Entfernungspauschale." Na also - geht doch.

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