Politik : Hinter den Linden: Trotzdem

Robert Birnbaum

Das haben Sie uns wirklich zugetraut? Dass wir Ihnen nie mehr was erzählen aus dem seltsamen Land Hinter den Linden? Dieser Nebenwelt, die manchmal große Welt ist und doch immer auch kleine Welt bleibt, gelegen zwischen Alexanderplatz und Spreebogen, mit der Berliner Reichstagskuppel als Achse, um die sich alles dreht?

Wir haben hier einige Zeit geschwiegen. Weil es auch uns die Sprache verschlagen hat. Weil uns nicht nach Lachen zumute war, ganz und gar nicht. Weil wir vor denen, die jetzt tot in den Trümmern liegen, nur still den Kopf senken können.

Trotzdem machen wir weiter. Kennen Sie den "Namen der Rose"? Ja, genau, diesen Mittelalterkrimi, in dem der hochgelehrte Professor Umberto Eco zuhauf biedere und weniger biedere Mönche umkommen lässt. Aber das ist ja nicht der Kern der Geschichte. Der Kern ist der, dass all diese Morde in ein Schema zu passen scheinen, in eine Abfolge von Zeichen und geheimen Bedeutungen, einen Masterplan, hinter dem der Schatten der Apokalypse aufscheint. Die Wahrheit ist nüchterner. Der Urheber von alledem ist ein böser, harter, alter Mann. Der mit allen Mitteln verhindern will, dass in der Klosterbibliothek ein verschollen geglaubtes Buch jenes Philosophen entdeckt wird, der damals die Autorität schlechthin war: Aristoteles. Denn dieses Buch bedroht sein fundamentalistisches Weltbild. Eben weil es vom Lachen handelt.

Das ist eine sehr aktuelle Fabel. Ein Osama bin Laden lässt nicht mit sich spaßen. Der ist todernst. Der erträgt kein Gelächter und keinen Spott. Denn Lachen ist Freiheit. Und die wollen wir uns doch, ganz im Ernst, weiter nehmen.

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