Politik : Hinter den Linden: Tschuldigung

Markus Feldenkirchen

Entschuldigung, aber was bitteschön hat Sie, Friedrich Merz, und Sie, Edmund Stoiber, nur bewogen, ihre Ehefrauen in jede Wahlkampfrede einzubauen? Als frei jonglierbares Versatzstück. Und dann noch so. Sie, Herr Merz hatten angefangen: "Ich möchte mich verdammt noch mal bei niemandem dafür entschuldigen müssen, dass ich seit 20 Jahren mit derselben Frau verheiratet bin", haben Sie den CDU-Massen auf dem Dresdner Parteitag entgegengeschleudert. Das hat Ihnen, Herr Stoiber, offenbar so gut gefallen, dass Sie gleich mal nachgerechnet und herausgefunden haben, dass Ihr Hochzeitstag ganze 34 Jahre zurückliegt. "Ich entschuldige mich nicht dafür, seit 34 Jahren mit meiner Frau verheiratet zu sein", sagen Sie nun bei jedem öffentlichen Anlass, zuletzt am Aschermittwoch, vor 20 000 Ohren im Hexenkessel von Passau. Und so werden Sie auch an diesem Sonntagmorgen Ihrer Frau Karin am Frühstückstisch gegenübersitzen. Stumm und ohne Angela Merkel, und sich wieder nicht entschuldigen. Das ist sicher besser so. Schon der alte Hieronymus wusste, wie fatal so eine Entschuldigung sein kann: "Während Du glaubst, dich zu entschuldigen, klagst du dich an", hatte der römische Gelehrte gewarnt. Dennoch konnten wir bisher leider nicht klären, wer Sie eigentlich aufgefordert hat, sich für Ihre langen Ehejahre zu entschuldigen. War es etwa der böse Müntefering? Wir haben hier hinter den Linden jedenfalls eine Umfrage gestartet, bei Politikern und Journalisten, aber alle schwören, nichts dergleichen verlangt zu haben. So bleibt nur die Frage, was Ihre armen Kollegen von der Union nun tun sollen, die ihre Ehefrau samt sämtlicher Kinder zugunsten einer anderen verlassen haben. Oder jene, die fernab des Wahlkreises jungen Damen in der Hauptstadt den Hof machen? Sollen die sich denn wenigstens entschuldigen? Und wenn ja, bei wem? Bei ihren Ehefrauen oder gleich bei Ihnen? Sind solche Fragen eigentlich erlaubt? Falls nicht, bitte ich vorab schon mal um Entschuldigung.

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