Politik : Hinter den Linden: Überflieger

Matthias Meisner

Dass die PDS doch noch die eine oder andere Schwierigkeit mit der Regierungsfähigkeit hat, stellte sich am Sonntagmittag kurz vor Ende des Rostocker Bundesparteitages heraus. Joschka Fischer hat es vorgemacht: Egal was weltpolitisch auf der Tagesordnung steht, notfalls macht es ihm die Flugbereitschaft der Bundeswehr möglich, zu jedem Bundesparteitag der Grünen zu erscheinen - und sei es auch nur für eine Stippvisite.

Mit einer solchen wollte es auch PDS-Vormann Gregor Gysi, frisch gekürter Berliner Wirtschaftssenator, diesmal beim Bundesparteitag der PDS gut sein lassen. Denn Berlins Regierender Klaus Wowereit hielt Gysi in der Hauptstadt fest - ohne Wenn und Aber diktierte die angesetzte Sparklausur den Terminplan. Gysi aber wollte auch zu den eigenen Genossen: Und so stand auf dem Berliner Flughafen Tempelhof am Sonntag eine kleine Cessna für den Flug nach Rostock bereit. Für eine Rede von 20 Minuten, und dann gleich zurück. Selbst ans Steuer des Fliegers wollte der frühere PDS-Chef. Er hat einen Flugschein und muss sowieso regelmäßig Flugstunden nachweisen.

Gysi kam im Senatsgästehaus recht spät weg. Er war aber schon auf dem Weg zum Flughafen, als schlechtes Wetter im Norden den Flug-Plan zunichte machte. Womöglich hätte der Berliner Senator erst da sein können, als das Spektakel in der Hansestadt schon vorbei war. Am Einspruch Wowereits jedenfalls soll die Rostocker Visite nicht gescheitert sein. Bezahlt hätte Gysis Flug "mit Sicherheit die Partei", versicherte PDS-Sprecher Hendrik Thalheim: "Wir würden den Berliner Landeshaushalt damit nicht belasten."

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