Politik : Hinter den Linden: Um Klassen besser

Markus Feldenkirchen

Es war einmal, neulich in Schwerin, etwas spät geworden. Die Diskussionsveranstaltung hatte sich länger hingezogen als geplant, weshalb Mehmet Daimagüler ins Grübeln kam. "Wie soll ich jetzt noch zurück nach Berlin kommen?", fragte sich das FDP-Vorstandsmitglied. Und während er noch so an die Deutsche Bahn dachte, die Hinfahrt von Berlin, das Umsteigen in Wittenberge, den verpassten Anschlusszug, stand Sahra Wagenknecht vor ihm, schönstes Gesicht der Kommunistischen Plattform und ebenfalls Vorstandsmitglied - aber der PDS.

Eben noch hatten die beiden ein Streitgespräch auf dem Podium geführt. Jetzt aber war Daimagüler ganz freundlich: "Wie kommst denn du nach Hause?" Wagenknecht war mit einem der PDS-Dienstwagen da, und in einem Anflug von Solidarität dachte sie sich: "der arme Kerl" und bot ihm einen Platz neben ihr auf dem ledernen Rücksitz an. Nicht nur, dass die PDS-Limousine der erfolgreichen Jungkommunistin direkt vor der Tür stand. Hinter dem Steuer hatte zudem die ganze Zeit geduldig ihr Wagenknecht gewartet. Weil der auch mit dem Fahrgast einverstanden war, fuhren sie los. Mehr passierte nicht, weil die PDS-Dame die ganze Fahrt mit Telefonieren verbrachte und Daimagüler aus dem Staunen nicht mehr herauskam. "Voll die Edelkarosse", fand er und bewunderte die gehobene Ausstattung des silberfarbenen Audi A 8 samt Navigationssystem. "Für mich ein echter Kulturschock", so Daimagüler, der wie alle seine Vorstandskollegen sämtliche Reisen im Dienste der Partei selbst bezahlen muss.

Wer jetzt aber meint, die Geschichte sei ein Lehrstück sozialistischer Verlogenheit mit dem Titel "Trabbi predigen, Edelschlitten fahren", der hat immer noch nicht verstanden wie der wahre Sozialismus funktioniert, worin seine Vorzüge liegen. Der verharrt immer noch im Denken des Kalten Krieges. Wenn jeder seines Glückes Schmied sein soll, wenn wir also dem FDP-Modell einer individualistischen Gesellschaft folgen, enden alle als kleine Daimagülers in lustlosen 2.-Klasse-Großraumwagen der Deutschen Bahn, ohne Beinfreiheit, gefangen im Kinderquaken. Wie verlockend dagegen das PDS-Modell: Statt Jeder-für-sich-allein legt die Partei zusammen, leistet sich statt 16 Einzelfahrscheinen drei silberlackierte Nobelkarossen für den Vorstand. Nur gemeinsam sind wir schnell. Gregor, hol schon mal den Wagen!

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