Politik : Hinter den Linden: Unter der Gürtellinie

Markus Feldenkirchen

Hier, hinter den Linden, wird ja viel darüber geredet, was genau links und was rechts ist - politisch versteht sich. Dahinter steckt das tiefe Bedürfnis nach klaren Verhältnissen. Leider ist das aber immer schwerer festzustellen. Verdammt lang her, dass ein traditionsresistenter Gerhard Schröder seinen damaligen Parteichef Scharping(!) schockte, als er etwas sagte, was heute so banal klingt wie "der Kohl ist rund". Dieser Schröder sagte damals, es gebe keine linke und keine rechte Wirtschaftspolitik mehr, nur noch moderne und unmoderne.

Damals war Scharping sehr sehr sauer, hat Schröder nicht mehr in seiner Troika haben wollen und sowas. Wie aber kommen wir von Wirtschaftspolitik ohne Bart hin zur Männerunterhose? Richtig, die Suche nach Themen, bei denen man noch klar sagen kann: das ist konservativ, das nicht. Und während wir verzweifelt suchen, schickt uns ein Münchner Marktforschungsinstitut die Rettung: "Bei der Unterwäsche bleiben die deutschen Männer konservativ", lautet ihr Ergebnis einer großen Umfrage. Mag der Kopf auch noch so ideologiefrei, so pragmatisch denken - unter der Gürtellinie herrschen noch klare politische Verhältnisse.

So sind vier von zehn Männern stolze Besitzer der Klassiker-Modelle "Karl-Heinz" (weißer Fein-Doppel-Ripp) und "Walter" (bunt-gemusterter Sportslip). Bestätigt fühlen dürfen sich übrigens nicht nur die Konservativen der Union, sondern auch die FDP. Denn im Wäscheschrank praktiziert der deutsche Mann schon lange vor Westerwelle sein ganz privates "Projekt 18". So viele Unterhosen besitzen wir Männer im Durchschnitt.

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