Politik : Hinter den Linden: Untermauert

Hans Monath

Vor lauter Vorsicht, dem politischen Gegner nur ja keine Angriffsfläche zu bieten, übersieht man manchmal sogar die Mauer im eigenen Kopf. Ausgerechnet beim für die SPD so heiklen Thema Vergangenheitsbewältigung der PDS hat nun Franz Müntefering dem Mauerbau das Wort geredet. Jedenfalls gibt eine Nachrichtenagentur den SPD-Generalsekretär mit dem Satz wieder, die PDS müsse ihre sehr begrüßenswerte Erklärung zum Mauerbau nun im Alltag untermauern. Eigentlich geht es dem politischen Profi und sympathischen Sozialdemokraten ja gerade um die unmissverständliche Ablehnung dieses historischen Bauwerks, aber trotzdem verlangt er, dass unterirdisch Stein auf Stein geschichtet wird? Hat man an dem interessanten sprachlichen Prinzip der untermauerten Mauer erst einmal Gefallen gefunden, lässt es sich übrigens ohne Weiteres auf die wichtigsten Politikbereiche übertragen: Parteichefin Angela Merkel erklärt dann, dass die Union ein Integrationskonzept für Zuwanderer in ihre an sich konservativen Grundvorstellungen integriert. Ihr Kollege Guido Westerwelle räumt ein, dass die Liberalen den Markt vermarkten. Und Arbeitsminister Walter Riester versichert in Hochglanzbroschüren und auf Großplakaten, dass sich die Rente rentiert? Bevor sich dieses sprachliche Prinzip durch Überdehnung selbst ruiniert, schnell noch ein Tipp an Herrn Müntefering. Was seine Forderung an die Erben der SED angeht, so sollte er sich schon einmal auf eine treuherzige Versicherung mit Augenaufschlag gefasst machen, die manches Hintertürchen offen lässt: Niemand in der PDS hat die Absicht, eine Erklärung zu untermauern. Ihr Auftritt, Herr Porsch!

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