Politik : Hinter den Linden: Urlaub ist schön

Carsten Germis

Der Satz von BDI-Vize Hans-Olaf Henkelhallt noch nach: "Die Länder, in denen am längsten gearbeitet wird, haben die meisten neuen Arbeitsplätze geschaffen", meinte er. Der versteckte Appell an alle, die angesichts lahmender Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit um ihre Jobs fürchten, war deutlich. Nicht weniger, mehr Arbeit lautet die Devise. Da muss natürlich auffallen, wenn sich ein Minister der Bundesregierung für sieben Wochen in den Sommerurlaub abmeldet. Kulturminister Julian Nida-Rümelin soll solange durch Lateinamerika reisen, meldete am Sonntag eines der Blätter mit den besonders großen Überschriften. "Im Amt heißt er Nie-da-Rümelin", spottet die Zeitung sogar.

Na ja, sieben Wochen sind auch eine verdammt lange Zeit. Glücklich, wer überhaupt soviel Jahresurlaub hat. Fünf, wenn es hoch kommt sechs Wochen, sind die Norm in Deutschland. Und wer kann die schon am Stück nehmen? Kein Wunder also, dass fast alle über den Kulturminister herfallen, der erst seit Januar als Nachfolger von Michael Naumann im Amt ist. Dabei verdient der Mann durchaus Verständnis. Schließlich macht Nida-Rümelin keinen normalen Sommerurlaub. Erst vor kurzem hat er die bildhübsche Schriftstellerin Nathalie Weidenfeld geheiratet. Wer will es dem Minister und gelernten Philosophie-Professor da verdenken, dem Politikalltag zu entfliehen und die Flitterwochen richtig zu genießen?

In Berichten über Nida-Rümelin war oft zu lesen, er sehe gut aus. Jetzt, mit Nathalie Weidenfeld an seiner Seite, heißt es: ein schönes Paar. Der Minister, der aus München kam, tut sich nach wie vor schwer mit der Hauptstadt. Wo Michael Naumann mit Verve über die neue Rolle Berlins als Hauptstadt nachdachte, hält sich Nida-Rümelin bedeckt. Berlin, so scheint es, ist seine Sache nicht. Doch bald bekommt er vielleicht Konkurrenz, die ihm gefährlich werden kann. Gregor Gysi, so ist zu hören, möchte als Kultursenator in einem rot-roten Berliner Senat mitmischen. Dann verhandelt der Populist mit Nida-Rümelin über das Engagement des Bundes für Kultur in Berlin und die Frage, welche Rolle die Hauptstadt künftig kulturell spielen soll.

Nach den Flitterwochen kommen die Zitterwochen, heißt es. Vielleicht nutzt der Minister ja den Urlaub, sich Gedanken über das zu machen, was ihm bald aufgezwungen werden könnte. Gönnen wir ihm die sieben Wochen, wenn danach die richtigen Ergebnisse kommen.

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