Politik : Hinter den Linden: Ute, bitte melde Dich

Markus Feldenkirchen

Schade, dass es die Sendung mit Jörg Wontorra nicht mehr gibt. Nein, nicht die am Samstagabend, die sich Fußballshow nennt und von keinem mehr gesehen werden will. Seine Glanzstunden als Moderator hatte jener Wontorra auf anderem Terrain, als Wiederfinder und Menschenzusammenbringer. Aber die Zeiten von "Bitte melde Dich!" sind vorbei. Vielleicht gab es am Ende keine Vermissten mehr, weil Wontorra alle wieder gefunden hatte. Vielleicht. Vielleicht aber hätte Wontorra diesen Job doch noch nicht aufgeben sollen. Einen Auftraggeber hätte er jedenfalls: die SPD-Fraktion. Die ist seit Tagen auf der Suche nach ihrer verlorenen Tochter, Ute Vogt. Kurz vor der 38. Sondersitzung des Bundestages, in der am Mittwoch über den Einsatz der Bundeswehr in Mazedonien abgestimmt wird, versuchte die Fraktionsführung alle urlaubenden Parlamentarierer zurück an die Spree zu holen. Fraktionschef Struck hatte strikte Präsenzpflicht angeordnet. Doch die Fahndung nach ihren Ausreißern wird von Jahr zu Jahr komplizierter, da es viele Parlamentarier immer weiter weg zieht. Ein SPD-Fraktionsmitglied musste gar aus Südamerika die Heimreise antreten, um der Regierung bei der Abstimmung die Mehrheit zu sichern. Einzig Ute Vogt war und ist unauffindbar. "Bitte melde Dich, Ute", flehten die Fraktionsleute auf die Mailbox der munteren Schwäbin. Doch Ute meldete sich nicht. Was wiederum Raum schafft für Spekulationen: Entweder hat sie vor Urlaubsantritt das Aufladekabel für ihr Handy vergessen. Oder aber ein Elch hat ihr die Antenne des Mobiltelefons abgebissen. Denn so viel ist dann doch bekannt: Vogt tourt mit dem Wohnmobil über die Berge Alaskas.

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