Politik : Hinter den Linden: Vertrauensfrage

Hans Monath

Wenn man schon nicht einer Meinung ist, dann muss man sich wenigstens gegenseitig vertrauen können. Nach dieser Devise haben Claudia Roth und Fritz Kuhn, die beiden so unterschiedlichen Parteichefs der Grünen, in den vergangenen Tagen versucht, aus ihren Meinungsdifferenzen zum Krieg in Afghanistan keinen Nachteil für ihre Partei erwachsen zu lassen. Das war nicht immer leicht, denn überall, wo Fritz Kuhn oder Claudia Roth auftauchten, warteten schon neugierige Journalisten mit Mikrofonen und Kameras und stellten hartnäckig berechtigte Fragen an die beiden Vertreter der Regierungspartei: Fritz Kuhn ist dafür, sind Sie denn dagegen?

Das war nicht anders nach der Sitzung der Bundestagsfraktion am Freitagnachmittag, bei der die Parteichefin zum ersten Mal nach ihrer Rückkehr aus China vor einem größeren Kreis zum Bundeswehreinsatz Stellung nahm. Aber öffentlich äußerte sie sich da noch nicht. Noch vor dem Verlassen des Fraktionssaals verabredeten die beiden Politiker deshalb, dass sie auf die Fragen nach der gemeinsamen Position zum Militäreinsatz eine hinhaltende Auskunft geben würden nach dem Motto: "Wir arbeiten dran."

Als Claudia Roth dann im dritten Stock des Reichstags vom ersten Fernsehteam angehalten wurde, lautete die Frage freilich: "Ist die Koalition gefährdet?" Sollte die Parteichefin sagen "Wir arbeiten dran"? Claudia Roth war noch im Nachhinein stolz darauf, dass sie sich trotzdem an die Verabredung hielt: "Wir arbeiten an einer gemeinsamen Position zum Einsatz", gab sie zur Antwort. Fritz Kuhn war jedenfalls zufrieden. Wie gesagt: Man muss sich unbedingt vertrauen können.

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