Politik : Hinter den Linden: Von wegen Stallwacht

Gerd Appenzeller

Was haben Universitäten, Schulen und Kindergärten mit der Politik gemeinsam? Alle machen eine richtige, große Sommerpause. In einem Punkt freilich unterscheidet sich die Politik, vor allem die auf der Bundesebene. Da gibt es so genannte Stallwächter. Im Kanzleramt und in den Ministerien sind das ein paar arme, bemitleidenswerte Beamte, die für den Fall der Fälle im Juli und August Dienst tun müssen. Dieser Fall tritt heute viel häufiger als früher ein. Früher, das war vor etwa 30 oder 40 Jahren, wo es im sommerlichen Bonn wirklich zuging wie im Märchen von Dornröschen - mit dem letzten Läuten der Schulglocke fiel alles in einen langen Schlaf. Um die wenigen Wachen aufzuheitern, beschloss die baden-württembergische Landesvertretung im Sommer 1965, erstmals eine so genannte Stallwächterparty zu veranstalten. Da kamen alle zusammen, die als Hoheitsträger i. V. für den Fortgang des politischen Geschäftes auf sommerlicher Sparflamme zu garantieren hatten. Und weil das Fest beim ersten Mal gleich so viel Spaß bereitete, findet die Stallwärterparty seitdem jährlich statt.

Am Donnerstag war es wieder soweit. Eines allerdings ist seit einigen Jahren anders als früher: Inzwischen feiert man schon ein paar Tage vor den Sommerferien. Dann kommen nämlich alle Prominenten, besonders gerne dann, wenn sie in die parteipolitische Couleur der Landesregierung hineinpassen. So sah man in der Tiergartenstraße im Garten der Landesvertretung Edmund Stoiber, Angela Merkel, Friedrich Merz, Eberhard Diepgen und Jörg Schönbohm in der Nähe von Erwin Teufel.

Und die eigentliche Stallwächterparty? Da wird noch jemand gesucht, der sie wieder einführt.

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