Politik : Hinter den Linden: Vorsicht Wein!

Hans Monath

Eltern haften für ihre Kinder! Kein Trinkwasser! Bei Gefahr Scheibe einschlagen! Spielen verboten! Wahrscheinlich ist keine andere Region der Welt so dicht mit Schildern bepflastert wie Deutschland. Schon lange rätseln Soziologen, Erziehungs- und Kulturwissenschaftler, was das Verlangen nach gestanzten Regeln zu tun hat mit der Autoritätshörigkeit und dem Ordnungssinn der Deutschland-Bewohner: Protestantisches Erbe der Buchstabengläubigen? NaziSpätfolgen? Nachgeholte Modernisierung? Egal, das Plakatieren macht jedenfalls auch vor dem Regierungsviertel nicht halt, wie ein Spaziergang in Mitte beweist.

Eine besonders bemerkenswerte Anweisung aber findet sich im Foyer der rheinland-pfälzischen Landesvertretung unweit des Potsdamer Platzes. Im fünfstöckigen Lichthof des eleganten Bauhaus-Komplexes hat der Künstler Karlheinz Zwick ein Werk mit dem Titel "Wein-Kopf" auf den Fußboden platziert. Das flache Objekt aus schwarzem Acrylglas ist fingerhuthoch mit einer Flüssigkeit gefüllt. Damit sich niemand auf die Knie niederlässt und an dem Kunstwerk nippt, hat ein findiger Aufpasser ein kleines Pappschild daneben gestellt: "Wein ist nicht trinkbar."

Nun ist zwar bekannt, dass rheinland-pfälzische Winzer ganz besonders gute Weine keltern - im Keller der Landesvertretung können sich ausgewählte Gäste davon überzeugen. Nicht bekannt war bislang allerdings, dass es offenbar Menschen gibt, die dem Wein aus diesem Bundesland auch dann nicht widerstehen können, wenn er wochenlang in einem Kunstwerk vor sich hindümpelt. Wieder was gelernt - dank eines Schildes!

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