Politik : Hinter den Linden: Wie im Lotto

Stephan-Andreas Casdorff

Manchmal hat Jürgen W. (W. für Wilhelm, nicht für Westerwelle) Möllemann schon Pech. Da hat er doch einen zumindest in der FDP sehr publikumswirksamen Begriff gefunden, das "Projekt 18". Getreu des klugen Ratschlags von Theodor Eschenburg, Politik müsse zum besseren Verständnis auf einen Begriff gebracht werden, wissen inzwischen alle politisch Interessierten was damit gemeint ist. Und was Möllemann im besonderen damit verbindet: seine Kanzlerkandidatur für die Liberalen.

Aber was passiert ihm, kaum das er seine PR-Kampagne begonnen hat? Er muss feststellen, dass ein Platz schon besetzt ist: Die Internetseite www.projekt18.de hatten Micha aus Puschendorf und Jan aus Erlangen blockiert. Sie warben für ein ganz anderes Vorhaben, nämlich für ihre Hochzeit, und stellten aus diesem guten Grund die Geschenkliste ins Netz.

Jürgen Möllemann allerdings ist ja ein Meister der Improvisation, in jedem Fall der schnellen Reaktion. Aus dem Projekt wurde die "Werkstatt 18", und in ihr können nun alle Interessenten an der Zukunft der Freien Demokraten werkeln, liberal, wie sie sein wollen.

Eine solche moderne, volksnahe Werkstatt der Ideen hatte Möllemann geholfen, die Basis der FDP in Nordrhein-Westfalen auf knapp unter zehn Prozent zu verbreitern. Daraus bezieht er nun Hoffnungen für seine Mission 18, für die Möllemann jetzt wirbt. Die Verwirklichung ist auch Glücksache. Aber Helmut Haussmann, der frühere Generalsekretär der FDP, kann hier ein Vorbild sein: Er hatte seinen ersten Lottogewinn seiner Glückszahl zu verdanken - der 18.

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