Politik : Hinter den Linden: Wieder da

Tissy Bruns

Es ist wieder viel von ihm die Rede, denn er hat sich rar gemacht. Erstens war Gregor Gysi dieser Tage mit Angela Merkel beim Italiener essen, was in Berlin nicht unbemerkt geblieben ist. Zahlen musste die CDU-Vorsitzende, weil sie gegen Gysis Ankündigung gewettet hatte, er werde als Fraktionschef zurücktreten. Zweitens beknieen ihn die Seinen, also die Partei des Demokratischen Sozialismus, bei der nächsten Bundestagswahl wieder zu kandidieren - wozu Gysi schweigt, um desto mehr über die Notwendigkeit eines blitzblank-neuen Parteiprogramms noch vor der Wahl zu reden. Die einen, sagt der intime Kenner seiner Partei, hätten Angst, es könnte zu opportunistisch, die anderen, es könnte zu radikal werden. Er fürchte, das Ergebnis werde sein, dass alles bleibe, wie es ist. Richtig. Parteichefin Gabriele Zimmer hat das neue Programm soeben auf ein Datum hinter der Bundestagswahl vertagt.

Drittens hatte Gysi eine kurze Identitätskrise. Denn die Bundestagsverwaltung hat ihn mehrtägig als 60-jährigen Wessi auf ihrer Website geführt. Wir wissen nicht, ob das falsche Alter oder der Herkunftsort ihn mehr irritiert haben: Gysi ist gerade 53 Jahre alt geworden, und in Extertal statt in Berlin geboren zu sein, das kann jenseits aller Ossi/Wessi-Fragen verstören.

Immerhin wissen wir nun, dass auch das Internet den Erwerb der elementaren Kulturtechniken nicht überflüssig macht. Denn der Irrtum beruht schlicht und einfach auf mangelhafter Handhabung des Alphabets. Nach dessen Gesetzen folgt auf Gregor Gysi als nächster der 60-jährige Bundestagsabgeordnete Karl Hermann Haack, der Apotheker ist, Wessi und Sozialdemokrat.

Der vierte Vorgang erklärt, warum über Gysi viel geredet wird: Weil der Mann so gut reden kann. Gregor Gysi erhält im Februar das "Goldene Mikrofon", die Auszeichnung für den "Besten Redner des Jahres 2000".

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