Politik : Hinter den Linden: Zaubermantel

Stephan-Andreas Casdorff

Vom Winde verweht, so scheint es dazustehen, das Brandenburger Tor. Jedenfalls sieht so die Verhüllung aus, die alles in allem eine witzige Idee ist; übrigens so witzig, dass man manchmal Angst haben muss vor den Autofahrern, die zu lange draufschauen. Zum Beispiel auf die Hasenzähne um die Osterzeit. Ja, man kann sich daran gewöhnen. Wie lange ist das Tor eigentlich schon verhüllt? Gibt es das Tor überhaupt noch? Oder ist es, Abrakadabra, schon weg? Und weiß jemand, wo der große Meister Copperfield gerade ist? Bei irgendeiner Party in Berlin? Das wäre ein Ding: vom Zaubermantel verweht.

Es ist doch besser, wenn man mal nachschauen geht. Durch die unscheinbare Tür hin ein, und - es ist da, wirklich da. Die Gestänge innen verhüllen nichts, sie enthüllen mehr: Was alles zu tun war und ist. Wie verdreckt das Tor zur Wetterseite hin war, zum Tiergarten, zum Westen eben. Da muss ganz schön gearbeitet werden, sogar mit Laserstrahlen wird es gesäubert. Hier wird renoviert im wahren Wortsinn. Wie neu wird es vor uns stehen. Die Athener werden erblassen. Die Frage ist nur: wann?

In diesem Jahr, das ist schon klar. Aber zum September oder Oktober, zum Tag der Wahl oder dem Tag der deutschen Einheit? Mit Prunk und Protz, oder haben wir - die neuen und die alten Berliner - es vielleicht früher und dafür eine Nummer bescheidener? Das wäre es doch: nicht am, sondern zum Tag der Einheit ist das Tor wieder da. Wie von Zauberhand fällt die Verhüllung. Es wartet, strahlt uns an, in den Westen wie in den Osten der Stadt. Und dann gibt es eine Party. Eine, bei der ma keener meckern kann.

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