Politik : Hinter den Linden: Zeitsprung

Markus Feldenkirchen

Hatten die sich nicht irgendwann aufgelöst? Zumindest eine Nachfolgepartei gezimmert? Kaum zu glauben. Da will man an einem Sonntag im September die Stadt für ein paar Stunden verlassen, die Politik darin auch, statt den Regen in Berlin den Regen in Ost-Brandenburg genießen, fährt also die Ausfallstraße Richtung Autobahn, und sieht: doch nur Politiker. Auf den Plakaten. Steffel, Wowereit, Rexrodt. Alle groß und schön in Augenhöhe. Lässt man aber den Blick die Laternen höher wandern, fällt er auf die exotischeren Parteien und ihre losen Losungen. Die Plakate der NPD zum Beispiel, die ihren Schweißfuß-Nationalismus verbreitet und meint: Berlin muss Deutsch bleiben!

Dann aber blitzen auf einmal diese drei Buchstaben auf. Erst erkennt man sie nicht, dann aber eine Ahnung. Kann das denn sein? Treten die etwa wieder an? Auf jenem Plakat prangen also drei Buchstaben: SED.

Den Schock verdauen, der Blick nach vorn. Auf den kommenden Freitag. Man sieht sie vor sich, die aufrechten Genossen, wie sie genau diesen Weg nehmen, um nach Dresden (A 13) zu pilgern, wo die SED-Nachfolgepartei PDS am Wochenende ihren Parteitag, naja, abhalten wird. Werden sie beim Anblick der SED-Schilder an die "guten alten Zeiten" denken, als die Fünf-Prozent-Hürde allenfalls in der Kneipe eine Herausforderung war? Oder werden sie sagen, gut dass es vorbei ist, und nach Dresden düsen, der Zukunft zugewandt? Spannend. Vielleicht aber werden sich diese Fragen doch nicht stellen, wenn man erfährt, dass es sich bei dieser SED um ein modernes, leicht humoristisches Politbündnis handelt das unter anderem einen eisfreien Tiefseehafen für Berlin fordert.

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