Politik : Hinter verschlossenen Türen

Bush und Vizepräsident Cheney vor der 11.-September-Kommission

Malte Lehming[Washington]

Der Widerspruch ist offenkundig. Einerseits behauptet die US-Regierung, die Warnungen vor den Anschlägen vom 11. September 2001 seien „viel zu vage“ gewesen, als dass sie etwas zu deren Verhinderung hätte unternehmen können. Andererseits behauptet sie, Hinweise auf die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen seien „äußerst konkret“ gewesen, weshalb der Krieg unerlässlich gewesen sei. Die Entwicklung der letzten Zeit legt die umgekehrte Schlussfolgerung nahe: Vor „Nine-Eleven“ gab es, wie Richard Clarke, der ehemalige Terrorexperte des Weißen Hauses, darlegte, detaillierte Warnungen. Die Geheimdienstinformationen über Saddam Husseins Waffenarsenale haben sich als dürftig erwiesen.

Daraus ergeben sich Fragen: Was wusste das Weiße Haus vor den Anschlägen über die Al-Qaida-Gefahr? Wie hat es auf Warnungen reagiert? Hätte am 11. September der Befehl zum Abschuss von entführten Flugzeugen früher erteilt werden können, wenn Bush sofort gehandelt hätte? Dies sollten am Donnerstag der Präsident und sein Vize Richard Cheney beantworten. Gemeinsam sagten sie vor der Kommission aus, die die Vorgeschichte der Anschläge klären soll. Jedoch wird die Öffentlichkeit nur indirekt erfahren, ob Bush und Cheney mehr Licht in die Sache brachten. Die Anhörung fand im Weißen Haus hinter verschlossenen Türen statt, die Befragten standen nicht unter Eid, keine Aufnahmen, kein Protokoll wurde angefertigt. Nur handschriftliche Notizen waren erlaubt. Die Administration nannte die Begegnung mit den Kommissionsmitgliedern – fünf Republikanern und fünf Demokraten – ein „privates Treffen“, Bush und Cheney hatten darauf bestanden, gemeinsam aufzutreten.

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