Hintergrund : Die Hisbollah-Miliz

Beirut - Seit der israelischen Invasion in den Libanon 1982 ist Israel die Hisbollah-Miliz nie wieder losgeworden. Auf Initiative der iranischen Revolutionsgarden wurde als Antwort auf die israelische Besetzung die schiitische Hisbollah-Miliz mit dem Ziel gegründet, die israelischen Einheiten mit Guerilla-Taktiken mürbe zu machen. Die Geschichte der Hisbollah ist eine Geschichte ungezählter Sprengstoffanschläge, Selbstmordattentate und bewaffneter Attacken aus dem Hinterhalt. Im Jahr 2000 zog sich Israel aus dem Südlibanon zurück, was sich die Hisbollah als ihren Erfolg auf die Fahnen schreibt.

Die Rhetorik der Hisbollah lebt von markigen Angriffen auf Israel und seinen amerikanischen Verbündeten. Kaum hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice im Februar der libanesischen Hauptstadt Beirut den Rücken gekehrt, da tönte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah vor rund hunderttausend Anhängern, die amerikanischen Kriegsschiffe sollten "ruhig kommen und uns entwaffnen". Obwohl die Hisbollah nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von den USA als Terrororganisation eingestuft wurde, scheint ihre Stellung im Libanon unerschütterlich.

Als der libanesische Bürgerkrieg 1990 endete, wurden alle Milizen entwaffnet - nur die Hisbollah nicht. Tausende Hisbollah-Kämpfer stehen unter Waffen, daran hat sich selbst nach der UN-Resolution 1559 vom September 2004 nichts geändert, in der zur Entwaffnung auch der Hisbollah aufgerufen wurde. In den Jahren 1993 und 1996 waren zwei Versuche der israelischen Streitkräfte fehlgeschlagen, die Hisbollah militärisch zu besiegen.

Wenn die Hisbollah nun - erstmals seit sechs Jahren - zwei israelische Soldaten in ihre Gewalt brachte, so kann das in der angespannten Lage im Nahen Osten nach Ansicht von Experten kein Zufall sein. Die Hisbollah sei auf den Plan getreten, um eine "neue Machtbalance" herzustellen, sagt der Direktor des Observatoriums für die Arabischen Staaten in Paris, Antoine Basbous.

Auch der Nahost-Forscher Emad Gad vom Zentrum für strategische Studien in Kairo zeigt sich überzeugt, dass es nach der Entführung eines israelischen Soldaten im Gazastreifen und den israelischen Reaktionen darauf eine "klare Koordination" zwischen der Hamas, dem Iran und der Hisbollah gegeben habe. Die Hamas habe bewirkt, dass der Iran "die Hisbollah intervenieren ließ", sagt Gad. Hisbollah-Chef Nasrallah hatte schon Ende Juni klar gestellt, dass er die Entführung israelischer Soldaten für ein probates Mittel hält. "In israelischen Gefängnissen sitzen 10.000 Palästinenser", sagte Nasrallah. "Es gibt kein anderes Mittel, ihre Freilassung zu bewirken." (Von Nagib Khazzaka, AFP)

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