Politik : Hintergrund: Islamistische Extremisten in Indonesien

Nach dem ersten Attentat von Bali mit 202 Toten im Oktober 2002 sind islamische Extremisten in Indonesien in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.

Hamburg - In dem nach der Bevölkerungszahl größten moslemischen Land der Welt gibt es seit Jahren eine größere Zahl kleinerer radikal-islamischer Gruppen, die meist jedoch kaum organisiert agieren. Relativ bekannt ist etwa die Front zur Verteidigung des Islam (FPI), die Bars und Discotheken bekämpft. Einigen Organisationen werden Kontakte zur Al Qaida, der Terrororganisation Osama bin Ladens, nachgesagt.

Jemaah Islamiyah (JI): Die Organisation gilt als Drahtzieher des Bali-Anschlags vom Oktober 2002 und soll auch einen Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in der Hauptstadt Jakarta verantworten, bei dem zwei Monate zuvor zwölf Menschen ums Leben kamen. Sie soll außer in Indonesien Zellen auf den Philippinen, in Malaysia oder Singapur unterhalten. Ihr Ziel ist die Errichtung eines pan-islamischen Staates in Südostasien. Als geistiges Oberhaupt der Gruppe gilt der islamische Gelehrte Abu Bakar Ba'asyir, der im Zusammenhang mit der Bluttat von Bali zu 30 Monaten Haft verurteilt wurde. Über ihren logistischen Kopf, genannt Hambali, soll die JI mit Al Qaida in Verbindung stehen. Hambali ging den Fahndern im August 2003 ins Netz. Mitglieder der JI sollen sich in Trainingscamps in Afghanistan aufgehalten und Geld von bin Ladens Organisation erhalten haben.

Laskar Dschihad: Die Organisation gilt als eine der militantesten islamistischen Gruppen Indonesiens. Sie wurde bislang vor allem durch ihren blutigen «Heiligen Krieg» gegen die christliche Bevölkerung auf den indonesischen Molukken-Inseln bekannt und ist Verfechterin eines streng moslemischen Lebensstils. Ihr Anführer Jafar Umar Thalib sitzt seit Mai 2002 im Gefängnis. Der indonesische Geheimdienst sagte der Organisation Kontakte zu Al Qaida nach. Die Laskar Dschihad soll für ihren Kampf auf den Molukken ausländische islamische Kämpfer rekrutiert haben. (tso/dpa)

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